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Helloween – Pumpkins United in München

Wer hätte das gedacht, dass sich die noch lebenden Mitglieder und Ex-Mitglieder von Helloween noch einmal zusammenraufen und unter dem Banner Pumpkins United auf Tour gehen? Das Produkt des gemeinsamen Schaffens konnte der geneigte Fan beispielsweise am 12. November 2017 im Zenith in München begutachten. Auffällig war zunächst einmal die Zeit des Veranstaltungsbeginns: 18:30 Uhr. Seltsam, nirgendwo fand sich ein Hinweis auf eine Vorgruppe… sollten die Fans rechtzeitig zum sonntäglichen Tatort wieder zu Hause sein können, damit sie auch am Montag auf der Arbeit wieder leistungsfähig sein würden?

Screen bei Halloween
Screen bei Halloween

So ganz von der Hand zu weisen war der frühe Termin als Rücksicht auf den Montag nun nicht – sicherlich kein Schaden. So ging es dann um 18:46 Uhr auch gleich fulminant – ohne Vorgruppe – los, kaum dass aus der PA die letzten Takte von Robbie Williams‘ Let Me Entertain You verklungen waren. Der Einstieg mit Halloween schlug entsprechend krachend beim fanatischen Publikum ein. Beim Gesang wechselten sich Michael Kiske und Andi Deris ab, während dahinter Kai Hansen, Michael ‚Weiki‘ Weikath und Sascha Gerstner die Gitarrenabteilung bildeten. Markus Großkopf komplettierte die saitenschlagende Fraktion am Bass, während über allen Daniel ‚Dani‘ Löble hinter seinem Schlagzeug mit insgesamt 6 Basedrums thronte. Auf den Opener folgte mit Dr. Stein gleich der nächste Klassiker – für die nicht ganz so textfesten Gäste dankenswerterweise mit einer Art Lyric-Video auf der Leinwand dahinter begleitet.

Optische Comic-Unterhaltung
Optische Comic-Unterhaltung

Dann gab es die erste Verschnaufpause für die gröhlende Menge, die natürlich niemals die gesanglichen Höhen der beiden Fronter erreichte. Die ließen es sich nicht nehmen, einerseits innige Eintracht zu demonstrieren als auch andererseits auf das Konzert in Stuttgart am vergangenen Abend hinzuweisen. Das Publikum hätte sie dazu angetrieben, 3:02 h zu spielen. Es läge nun natürlich am Münchener Publikum, das zu toppen. Nach Aussage von Besuchern war das Publikum an diesem Abend für Münchener Verhältnisse wirklich sehr euphorisch. Man durfte also gespannt sein.

Nachdem Kiske dann alleine den nächsten Track I’m Alive vortrug und anschließend Deris If I Could Fly übernommen hatte, war auch klar, wie das Konzept für drei Stunden aufgehen können würde. Von den 24 Songs des Abends zeichneten Kiske und Deris jeweils für sechs alleine verantwortlich. Neun übernahmen sie zusammen, zwei weitere durch Hansen alleine. Damit kann man natürlich fast durchgängig drei Stunden lang das Publikum befeuern.

Kiske (li) und Deris (re)
Kiske (li) und Deris (re), im Hintergrund Gerstner (li) und Weikath (re)

Die gesamte Show war in mehrere Blöcke eingeteilt, die durch Comic-Strip-Einspielungen voneinander abgetrennt wurden. Darin alberten zwei Kürbismännlein, Seth und Doc, herum und kramten aus der Historienkiste von Helloween immer weider neue Utensilien hervor. Das war zwar ganz niedlich, hätte es aber nicht wirklich gebraucht. Ansonsten waren die Video-Unterstützungen gut zu den Stücken arrangiert, so dass man staunen konnte, auf wie viele Arten man mit Kürbissen und Schlüsseln herumexperimentieren kann.

Hat der Keeper seine Keys verloren?
Hat der Keeper seine Keys verloren?

Im fünften Block war dann schließlich Walls of Jericho dran. Nach dem Einspieler des Openers der Platte (Happy Happy Halloween …) folgte ein Medley von Starlight, Ride the Sky und Judas . Gesanglich vorgetragen, wie schon erwähnt, von Kai Hansen. Bei allem Respekt, er erreicht nicht ganz die Qualität der beiden anderen Sänger, doch im Sinne der Historientreue passt das schon. Das Publikum war jedenfalls lauthals dabei, ihn zu untersützen. Er ließ dann noch ein krachendes Heavy Metal (Is the Law) folgen, bevor er das Mikro wieder an Hansen und Deris zurückgab.

Walls of Jericho Medley
Walls of Jericho Medley mit den passenden Effekten

Bemerkenswert war sicherlich auch das Drum-Battle zwischen Dani Löble und dem 1995 verstorbenen Gründungsdrummer Ingo Schwichtenberg. Die moderne Technik macht es möglich, dass es sich anhört, als würden wirklich beide gegeneinander antreten – oder, besser gesagt, harmonisch miteinander auf die Felle prügeln. Schön im darauf folgenden Block während des Songs A Little Time die Referenz zu Pink Floyd in Ton und Bild.

Die Setlist lieferte einen hübschen Querschnitt durch fast alle Schaffensperioden, wobei vor allem die alten Klassiker der ersten drei Alben beim Publikum den größten Widerhall fanden. Erstaunlich war allerdings, dass der extra neu eingespielte Track Pumpkins United nicht den Weg ins Set fand. Letzendlich kein Schaden – die Fans vermissten vermutlich nichts.

Gitarrengewitter
Gitarrengewitter: Gerstner (li), Hansen (mi) und Weikath (re)

Mit zwei Zugaben ging es in das große Finale, wo die Herren zunächst mit Eagle Fly Free und Keeper of the Seven Keys und im zweiten Teil dann mit Future World und I Want out noch einmal mächtig aufdrehten. Das Publikum dankte es bis zur letzten Zeile mit enthusiastischem Mitgesang und war nach 178 Minuten glücklich, da reicht beschenkt.

Es war ein gelungener Abend, der mit einem runden Konzept für fast drei Stunden für mächtig Laune sorgte. Bleibt zu wünschen, dass nach dieser Tour die Beteiligten nicht wieder getrennte Wege gehen, sondern sich vielleicht mal wieder im Studio einschließen und ihre geballte Kreativität walten lassen. Das muss nicht die letzte Tour dieser Art gewesen sein.

Großes Finale
Beim großen Finale: Großkopf, Kiske, Deris und Hansen (von links)

Setlist:

  1. Halloween
  2. Dr. Stein
  3. I’m Alive
  4. If I Could Fly
  5. Are You Metal?
  6. Rise and Fall
  7. Waiting for the Thunder
  8. Perfect Gentleman 
  9. Walls of Jericho Medley: Starlight / Ride the Sky / Judas 
  10. Heavy Metal (Is the Law) 
  11. Forever and One (Neverland)
  12. A Tale That Wasn’t Right
  13. I Can
  14. Drum Solo / Ingo Tribute
  15. Livin‘ Ain’t No Crime
  16. A Little Time
  17. Why?
  18. Sole Survivor
  19. Power
  20. How Many Tears

Encore:

  1. Eagle Fly Free
  2. Keeper of the Seven Keys

Encore 2:

  1. Future World
  2. I Want Out