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Manowar – The Final Battle World Tour @ Berlin 2017-11-29

Ich finde, es gibt Bands, die man* mal gesehen haben sollte, zumindest wenn man sich im Bereich des Metal bewegt. Manowar gehört meiner Ansicht nach auf jeden Fall dazu und bisher habe ich es tatsächlich noch nicht geschafft (Shame! Shame!). Es wurde also Zeit … und als sich die Gelegenheit im Laufe des Jahres ergab, da habe ich für zwei sehr geile Menschen und mich die Chance ergriffen und die Karten organisiert. Bei satten 90,-€ pro Nase durften wir ja echt was erwarten…

Am 29. November dieses Jahres war es dann soweit, ich hatte zwar noch eine ca. zweistündige Anreise, aber das sollte mich natürlich nicht davon abhalten, ins alt-ehrwürdige Tempodrom nach Berlin zu fahren, wo ich zuvor erst einmal zu einem Konzert war – mit einer ausgesprochen interessanten und letztendlich positiven Erfahrung.

Nach der üblichen Prozedur – anstehen in der Kälte, mehr oder weniger intensiv abgetastet werden, Klamotten an der Garderobe abgeben, Getränk erwerben – standen wir im (zum Glück unbestuhlten) Innenraum. Mit sanfter klassischer Musik wurden wir dort auf das anstehende Donnergrollen vorbereitet, auf der Screen hinter der Bühne war Joey DeMaios anstehende Spoken-Word-Tour angekündigt.

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Bühne mit DeMayos Tour-Plakat.

Erster Aufreger waren für mich die Schilder, die das Aufnehmen von Fotos oder Videos verboten, verbunden mit der Forderung, das bitte zu respektieren. Wo und wann leben wir denn bitte? Beim Versuch zwischenzeitlich Fotos zu machen wurde ich tatsächlich von einem Ordner aufgefordert, das umgehend zu unterlassen. Für mich ein klarer Fall einer Band, die sich der aktuellen Entwicklung verschließt, weil sie keine Antwort darauf hat, wie sie das Interesse und die Energie ihrer Fans positiv für sich selbst und ihre Fans nutzen kann, um Neues zu entwickeln. Das ist einerseits traurig, andererseits so rückwärts gewandt, dass ich mich nicht weiter damit befassen möchte.

Dann ging es auch los mit einem definitv adäquaten Einsteiger Manowar und während die Herren es krachen ließen, hörten die Fans vor allem Bass und Basedrum. Alles schön und gut, ich würde aber gerne auch was von Gitarre und Gesang mitbekommen. Das konnte das Mischpult dann auch bald relativ gut korrigieren, so dass es in der Folge besser wurde.

Mit Blood of My Enemies, Metal Warriors und Brothers of Metal Part I ging es in der Folge weiter, wobei eine von mir sehr geschätzte Qualität der Band zum Tragen kam, nämlich mit geschickten Übergängen smooth in den jeweils nächsten Song hinüberzuleiten. Keine Pausen, sondern hoch professionelles Integrieren und Aufbauen der Spannung. Diese Professionalität zog sich über weite Strecken des Gigs.

Mit dem fünften Song Mountains waren wir nicht nur in der romantischen Ecke – endlich hatte auch der zuständige Roadie den Schalter für die Background-Screen gefunden, sodass jetzt auch optische Untermalung der musikalischen Leistung geboten wurde. Damit sind wir aber auch gleichzeitig in einer Grenzregion angelangt. Bei aller sog. „Trueness“ ist das ganze Heldengetue auch oft an der Grenze zur Albernheit und meiner Ansicht nach nicht mehr zeitgemäß. Wer das nicht abkann, ist bei Manowar natürlich definitv falsch – oder schlicht unvorbereitet! Manchmal kann ich es ertragen und mich daran erfreuen – und manchmal ist meine persönliche Grenze überschritten. So auch in diesem Moment, als der künstliche Nebel über die Bassboxenphalanx kroch und ich mich an die ersten Musikvideos der 80er erinnert fühlte …

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Der Nebel kriecht über die Boxenberge …

Kurz danach folgte das unvermeidliche Heart of Steel … und da wir uns gerade auf deutschem Boden befanden natürlich in der deutschen Version Herz aus Stahl. Was hier in Berlin natürlich aus Sicht von Band und Fans ein absolutes Muss ist, bleibt insofern erträglich, als dass uns der Gastauftritt von Doro erspart blieb. Die wirklich true’en Fans feiern derweil diese Darbietung dankbar.

In der Folge plätschert für mich das Konzert so ein wenig vor sich hin, abgesehen von wenigen Lichtblicken, beispielsweise Sons of Odin aus dem von mir persönlich sehr geschätzten Gods of War Album. Ich bin halt kein wirklich true’er Manowar-Fan. Davon sind aber schon einige anwesend, die sichtlich Spaß haben, auch wenn die Gesamtstimmung sich eher in Grenzen hält.

Wichtige Erkenntnis, die sich zwischenzeitlich bei mir ausbreitete, ist, dass wohl die ehemaligen Grafik-Programmier der 80er-Jahre Commodore-Amiga-Spiele eine neue Heimat gefunden haben. Das grafische Niveau der Animationen auf den Background-Screens geht nicht wirklich darüber hinaus. Künstliche Asteroiden, Burgmauern und endlose Treppen waren auch vor 30 Jahren schon auf den Bildschirmen unzähliger Computer in zahlreichen Haushalten zu sehen. Wobei sicherlich als Fortschritt zu bewerten ist, dass es – vor allem in der zweiten Hälfte der Show – in den Animationen Einspielungen der Livecam gab.

Über Soli kann ja jeder denken, was er will. Ich persönliche brauche sie nun nicht – es hat aber echt was von Old School, was Bands aus den 80ern halt manchmal so veranstalten. Die von Joey DeMaio waren technisch in keinster Weise angreifbar – zumindest nicht für mich – und insgesamt recht sympathisch. Als Amerikaner in Deutschland dann noch in ziemlich gutem Deutsch das amerikanische Bier für Pisse zu erklären und das deutsche für das Beste der Welt … das kommt (natürlich) an. Den Band-Kollegen gönnt er zwischnezitlich natürlich die wohlverdiente Pause, damit sie sich für den Endspurt klar machen. Wir trinken derweil noch eine Gerstenkaltschale und harren der Dinge, die da kommen.

Und die Dinge, die da kommen, nehmen mehr und mehr Fahrt auf. Sei es der steigende Alkoholkonsum der Fans, sei es die hohe Professionalität der Band, die in über 30 Jahren Geschichte weiß, wie sie die Meute zum Kochen bringt – es funktioniert! Während die grafischen Animationen nicht an Wert gewinnen, entwickelt sich das Zusammenspiel zwischen Band und Publikum zunehmend besser. Fighting the World, Kill with Power, Sign of the Hammer – es läuft!

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Die Meister in voller Action.

Mit Battle Hymn erreichen wir dann einen ersten Gipfel, doch der entpuppt sich retrospektiv nur als Ausguck auf die nachfolgenden Höhepunkte. Als die Herren Warriors of the World United erklingen lassen, haben sie scheinbar auch den letzten Menschen im Raum erfasst. Es wird zelebriert – von beiden Seiten. Endlich kann auch die letzte Kehle aus vollem Herzen gröhlen

Brothers everywhere
Raise your hands into the air
We are warriors,
Warriors of the world.

Like thunder from the sky
Sworn to fight and die
We are warriors,
Warriors of the world.

Das ist dann genau der Moment, an dem ich weiß, warum ich hier bin. Das ist true. Das ist ehrlich und wahrhaftig. Dafür stehen Manowar und das geht richtig geil rein.

Direkt darauf folgt das bisher noch fehlende Hail and Kill und die willige Menge ist mit voller Begeisterung bei der Sache. Ja, das ist Manowar, wie auch ich mir das vorgestellt habe – und versuche dabei nicht zu sehr auf die wirklich erbärmliche Animation einer abbrennenden Burg hinter den Herren zu achten. Ich bin hier für das Erlebnis und den ganzen Spaß!

Und dann sind sie auch schon fast weg … Joey tötet zeremoniell eine Saite nach der anderen seines Basses, rollt sie schön zusammen und verteilt sie an die Fans in den ersten Reihen. Die haben sich das auch verdient. Zum heldenhaften Abtritt gibt es dann vor der Animation von Schwarz-Rot-Gold noch The Crown and the Ring. Als Outro OK, auch wenn die Meister das hätten direkt hier und jetzt selbstpersönlich vorführen können …

Mein persönliches Fazit: Endlich habe ich Manowar gesehen – sie sind in die Jahre gekommen und doch der Pubertät kaum entwachsen. Sie haben eine hohe Professionalität erreicht und technisch gibt es wohl nur wenige, die ihnen etwas vormachen können. Diese Truppe ist wirklich gut eingespielt und abgestimmt. Die wissen, wie es geht. Die Stimme von Eric Adams ist in Anbetracht seines Alters wirklich bemerkenswert stark und in ihrer Bandbreite beeindruckend. Ob das zentrale Thema von Manowar allerdings heute noch funktioniert? Teilweise ja, für mich nur sehr bedingt.

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Eric Adams in vollem Einsatz

War die Investition von 90,-€ gerechtfertigt? Aus meiner Sicht nein! Ich bekomme für weniger Geld wesentlich mehr geboten bei vielen Nachwuchsbands und semi-bekannten Acts. Bei aller musikalischer Professionalität und der Menge and Basspower, so dass es bis in die Haarspitzen zittert (cooles Gefühl übrigens) – die optische Unterstützung ist alles andere als zeitgemäß. Die Thematik der Band ist inzwischen deutlich outdated – was dir aber als thematische Band passieren kann.

Bei Bands gleicher Kragenweite bekomme ich auch mehr für mein Geld. Mir bleibt der Eindruck, hier wird noch einmal schnell Geld gemacht, bevor es nicht mehr geht. Ich möchte nicht für eine billige Show einen Premiumpreis bezahlen. Und wenn ich ein Handyfoto machen möchte, nicht auch noch von Offiziellen angepöbelt werden …

Trotzdem – ich habe Manowar gesehen! Das ist gut und richtig so. Der Preis wird bald vergessen sein und das Erlebnis unter einem Haken „Ich war dabei!“ verborgen werden: We are warriors of the world!

Setlist

  • Manowar
  • Blood of My Enemies
  • Metal Warriors
  • Brothers of Metal Pt. 1
  • Mountains
  • Fallen Brothers – Karl’s Solo
  • Herz aus Stahl
  • Secret of Steel
  • Spirit Horse of the Cherokee
  • Call to Arms
  • Sons of Odin
  • Kings of Metal
  • Sting of the Bumblebee
  • Joey redet und spielt mit seinem Bass alleine rum
  • Fighting the World
  • Kill with Power
  •  Sign of the Hammer
  •  The Power
  •  Battle Hymn
  •  Warriors of the World United
  • Hail and Kill
  • Black Wind, Fire and Steel
  • The Crown and The Ring (Outro)

* Ich verzichte im gesamten Text auf das irgendwie verkrampft geschriebene Gendering, ohne den Respekt für alle Ausprägungen zu verlieren. Es schreibt und liest sich meiner Ansicht nach einfacher so, wie ich es standardgemäß verwendet habe.

    DIE METAL HAMMER AWARDS 2017 – TEIL 2

    Unsere Gwen hat euch ja schon über die bisherigen Preisverleihungen und die großartigen Auftritte von Oversense und Orden Ogan berichtet. Doch nach knapp zwei Stunden war die selbsternannte „härteste Preisverleihung des Jahres“ noch lange nicht vorbei.

    Nachdem Orden Ogan schon bei einigen für Nackenschmerzen gesorgt haben, konnte man sich bei den letzten beiden Verleihungen noch einmal bei einem kühlen Bierchen kurz entspannen. Die letzten Preise an diesem Abend wurden in den Kategorien Beste Deutsche Band, Riffgott und Legende vergeben. Ersterer ging an die Ruhrpott Thrash-Titanen Sodom.  Die 1981 in Gelsenkirchen gegründete Band veröffentlichte 2016 ihr Album „Decision Day„, womit sie ihre Mitgliedschaft bei den Big Teutonic Four deutlich  zementiert haben.  Dem umtriebigen Virtuosen Gus wurde der Preis  Riffgott verliehen. Bekannt wurde Gus G als Axtmann bei keinem geringeren als Ozzy Osbourne (sic!), spielte aber auch bei weniger „bekannten“ Bands wie Arch Enememy, Mystic Prophecy, Firewind, Dream Evil und Nightrage. Der

    Preis für die Legende ging an Mark „Barney“ Greenway. Er wurde absolut gerechtfertigt für

    seine Tätigkeit als Frontshouter der Death Metal/Grindcore Urgesteine Napalm Death geehrt, welche er schon seit 28 Jahren anführt. Daneben war er aber auch noch Gründungsmitglied der legendären Benediction, welche er 1990 für Napalm Death verlassen hat.

    Danach wurde es aber nochmal richtig heiß. In Extremo betraten die Bühne und läuteten damit den Abschluss des Abends ein. Für In Extremo, die schon seit 1995 gefühlt alle Bühnen Deutschlands abgefackelt haben, war es ein ganz besonderer Abend. Das hatte nicht nur damit zu tun, dass die Location der Kulturbrauerei keine Pyrotechnik zulässt. Nein, an diesem Tag feierten sie die Veröffentlichung ihres neuesten Compilation „40 wahre Lieder – The Best Of„, mit der sie voller Stolz auf ihre 22 jährige Karrierezurückblicken. Aus diesem Grund spielten In Extremo ein intimes Fest für und mit ihren Fans und haben bewiesen, dass es egal ist, wie groß die Bühne ist – bei einem Konzert der sieben Spielmänner kommt jeder ins Schwitzen. Mit neuen und alten Hits, wie Störtebeker, Vollmond, Quid Pro Quo oder dem Spielmannsfluch lud man zum mitgrölen ein. Bei Sternhagelvoll geriet das Publikum sogar ins fröhliche Schunkeln. Nach knapp einer Stunde war dann aber auch Schluss mit der eigenen kleinen Releaseshow und damit auch den Metal Hammer Awards 2017. Am Ende kann man sagen, dass In Extremo vollkommen zurecht an diesem Abend den Preis für die Beste Live Band erhalten haben.

     

      Metal Hammer Awards 2016

      Die Oscarverleihung des Metal

      Am Freitag den 16. September 2016 war es mal  wieder soweit:

      Im Berliner Kesselhaus wurden die Metal Hammer Awards 2016 vergeben. Der schwarze Teppich wurde ausgerollt und ein Abend mit Stars und Sternchen der dunklen Szene, mitreißenden Konzerten und sogar einem Album Release konnte beginnen.

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        AC/DC, Olympiastadion Berlin, 25.06.2015

        Zu diesen Herren muss man ja auch einfach mal hin. Ich hätte das schon wieder verpasst, wenn ich nicht dankenswerterweise mit einer Karte versorgt worden wäre. Zum Glück!

        Endlich mal wieder im Olympiastadion, schließlich gibt es zu wenige Anlässe da hinzugehen. AC/DC, Olympiastadion Berlin, 25.06.2015 weiterlesen

          [Festivalbericht] Under the Black Sun 2015

          Wir haben dieses Jahr das Under the Black Sun Festival „in the woods outside Berlin“ besucht. Das kleine aber feine Festival der dunklen Seite findet in Börnicke statt (gut 50 km von Berlin Mitte).

          Dort hat man sich für die paar Tage dem Schwarz- und Totmetall  verschrieben und es fanden laut Veranstalter 666 Besuchern den Weg in den düsteren Wald.

          [Festivalbericht] Under the Black Sun 2015 weiterlesen