Totalselfhatred, Agrypnie, Aroganz, Asphagor @ Berlin 2018-10-14

Mit der geballten Ladung Black Metal lud der Friedrichshainer Nuke Club (ehemals K17) am Sonntagabend in seine Location. Ein Sonntagabend für diese Kombination ist nicht gerade optimal, aber was soll man machen? Schließlich ist das nicht die einzige Stadt, die diese vier Gruppen auf ihrer Tour so bespielen. Dafür ging es schon um 19 Uhr los – und wir, drei Mann hoch, natürlich rechtzeitig genug vor Ort, um nicht nur mit unter den ersten Gästen zu sein, sondern auch noch Zeit zu haben, ein Aufwärmbier zu trinken.

Asphagor

Als erste betraten Asphagor die Stage. Die fünf Österreicher hatten im Mai ihr neues Album The Cleansing veröffentlicht und konnten uns dieses im Zuge des heutigen Auftritts eindringlich nahe bringen. Die Bühnenpräsenz des Sängers Morgoth ist so beeindruckend wie raumgreifend. Flankiert von seinen saitenzupfenden Kollegen bildet er eine mächtige Phalanx vor Drummer Sargoth.

So drehten Asphagor gleich mächtig auf und ließen das Haus erzittern. Wie ein bestens geölter Schiffsdiesel auf Speed in einem schweren Unwetter auf hoher See krachte die Welle über uns Zuschauer herein. Mit brachialer Energie hatten der Frontmann und sein Team die Lage aber voll im Griff. Morgoth, als Kapitän mit einem Skeletttorso als Galeonsfigur an seinem Mikestand, stets voraus, die Bande ständig antreibend, das Publikum ständig aufpeitschend. Mit dieser Energie hatten wir einen gelungenen Einstieg in den Abend.

Asphagor mit Sänger Morgoth

Zweiter Act des Abends war dann eine gut halbe Stunde später Aroganz (oder auch Arroganz, je nachdem, was man sich als Quelle hernimmt). Wer nicht weiß, was man Sinnvolles mit ausrangierten Schaufensterpuppen anfangen kann, der kann sich hier Ideen holen. Mit einer schwarzen Kutte umhüllt und ein paar roten LEDs als Augen tragen sie zur skurril-schaurigen Bühenästhetik der Cottbusser bei. Im rotlichtbeschienenen Nebel der Bühne eine großartige Atmospähre für die nun folgende, etwas gemächlichere und getragenere Gangart.

Bühnenatmosphäre bei Aroganz

In diesem Jahr kam die EP Erzketzer heraus, die sehr gut auch die ruhige Mächtigkeit ihres Sounds widerspiegelt. Sänger und Bassist -K- dominiert im Zentrum der Stage das Geschehen, das immer wieder von manchmal doomig anmutenden Passagen bis in den Death Metal wechselt. Schon mit diesen zwei Vertretern war eine gehörige Bandbreite des Black Metals präsent.

-K- von der Cottbusser Band Aroganz

Inzwischen war das Nuke gut gefüllt, denn als nächstes kam für viele Gäste sicherlich ein wichtiger Anlass, heute Abend hier zu sein. Die Hessen von Agrypnie ließen auch erst einmal nichts anbrennen und starteten gleich mit zwei Klassikern ihres 2013er Werkes Aetas Cineris, bevor sie sich einem Track des zwei Tage zuvor erschienenen neuen Albums Grenzgænger zuwandten. Diesem ließen sie dann allerdings auch gleich wieder ein Stück aus Aetas Cineris folgen.

Torsten, der Unhold geht voll in seinem Element auf.

Eine weise Entscheidung, so vorzugehen, denn das Publikum dankte es mit entsprechendem Feedback, so dass die Band ganz schnell Herr im Hause war. Nach und nach bekamen wir dann auch mehr vom neuen Material zu hören, was qualitativ dem alten in nichts nachsteht. Von der Härte aber auch der Ruhe, die sich gekonnt in heftigen Kontrasten abwechselten, waren wir eingehüllt in die besondere Magie der Musik dieser Truppe.

Das Publikum voll in Resonanz mit Agrypnie

Nach etwas mehr als einer Stunde war es dann leider auch schon vorbei. Ganz benommen und erfüllt trafen wir uns an der Bar wieder, um uns erst einmal mit etwas Gerstensaft abzukühlen. Da wird wohl noch ein Teil unseres Geldes später für die neue CD im streng limitierten Doppelpack mit der zweiten Neuveröffentlichung, der Compilation Pavor Nocturnus, draufgehen. Damit war der Abend eigentlich schon rund… doch obendrauf kam ja noch der Headliner…

Denn zu guter Letzt gab es noch feinsten finnischen Black Metal auf die Mütze. Die vier Herren von Totalselfhatred aus Helsinki kamen nun mit ihrer ganz eigenen, sehr souveränen Art daher. Dabei stand ihr neues Album Solitude in Zentrum der Darbietung, die an Intensität noch einmal ein Schippe drauflegte.

A., Leadsinger von Totalselfhatred

Ungewöhnlich war ihre Grundaufstellung der ersten Reihe. Während der geneigte Konzertbesucher im Zentrum der Bühne den Leadsinger erwartet, sieht das bei Totalselfhatred anders aus. Da steht Bassmann N. und wird von den beiden Sängern flankiert. Diese wechseln sich im Gesang ab und überbieten sich gegenseitig in ihrem depressiven Leid, dass durch die dahinterliegende Soundwall perfekt getragen und verstärkt wird.

Totalselfhatred

Die ganze Darbietung beamt uns – mittlerweile nur noch zu zweit und reichlich bierbeseelt – noch einmal ein paar Zentimeter höher über den Boden. Ein rundherum gelungener Abend mit einem sich kontinuierlich steigernden Set, das wirklich Zeit und Geld wert war. Da kommen wir doch gerne wieder, wenn im Nuke zum Black Metal geladen wird.

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