Fuererfontänen auf der Bühne bei Iron Maiden

Iron Maiden – Legacy of the Beast Tour @ Berlin 2018-06-13

Die gute, alte Waldbühne bildete den Rahmen für den Berliner Auftritt der britischen Metal-Ikonen Iron Maiden auf ihrer diesjährigen Legacy of the Beast Tour. Das Wetter war ziemlich gut passend, nämlich trocken und bedeckt, ein paar Grad mehr auf der Temperaturskala hätten dem Event allerdings auch nicht geschadet.

Als Einheizer waren die Metalcore-Kollegen von Killswitch Engage einbestellt worden. Geschmacklich sicherlich eine, sagen wir mal, interessante Kombination, die sicherlich einige der zahlreichen Gäste älteren Semesters nicht so sehr gefallen hat. Dabei lieferten die Amerikaner ein solides Set ab und zollten dem Hauptact demütig Respekt. Den Teilnehmern der Moshpit schien es jedenfalls überwiegend gefallen zu haben, denn dort ging während des Auftritts ganz gut die Post ab.

Iron Maiden in der Berliner Waldbühne
Gleich geht’s los.

Nach UFOs Doctor Doctor über die PA war es dann soweit. Traditionell wurden die einleitenden Worte von Winston Churchill übernommen in Form seiner „We shall fight on the beaches“ Rede, bevor die Herrschaften sodann fulminant mit Aces High von ihrem 84er Album Powerslave einsteigen. Über Bruce und seinen Kollegen schwebt derweil ein britisches Kampfflugzeug aus dem zweiten Weltkrieg, um den Inhalt des Songs passend zu umrahmen. Der Rest der Bühne ist mit Tarnnetzen verhängt, selbst Drummer Nicko McBrain sitzt hinter einem solchen.

Sofort merkt man den Jungs die echte Spielfreude an und keinesfalls ihr Alter – schließlich ist Bruce der jüngste in der Bande mit seinen nun doch schon 59 Jahren.

Es geht straight weiter mit Where the Eagles Dare vom Album Piece of Mind weiter, welches sich in etwas mehr Ruhe episch über das Auditorium ausbreitet. Auf der Bühne wechselt das Hintergrundbild zu einer verschneiten Hochgebirgslandschaft, in der eine brennende Gondel schwebt. Schneller wird’s danach wieder mit dem Klassiker 2 Minutes to Midnight, mit dem die Band, die etwas abgekühlte Stimmung sofort wieder hochfährt.

Feuerfontänen auf der Bühne von Iron Maiden
Feuer darf natürlich nicht fehlen.

Nach diesem ersten drei Songs, hat Sänger Dickinson dann einige warme aber mahnende Worte für das Publikum parat. Freiheit, so sein Thema, komme in vielen Formen. Dafür müsse man sich einsetzen, manchmal vielleicht auch sterben. Heutzutage will aber verdammt noch einmal keiner mehr was dafür tun! Dafür zeigt dann der nächste Song The Clansman (Album Virtual XI), wie ein schottischer Widerstandskämpfer sich für die Freiheit von den unterdrückenden Engländern eingesetzt hat. Bevor es jedoch losgehen kann, verspricht Dickinson noch, dass er heute Abend nicht so viel quatschen wolle, sondern eher mit seinen Kumpels Musik machen. Gut so, wir werden es erwarten können …

Über The Trooper und Revelations gelangen wir zu For the Greater Good of God und jedesmal gibt es ein neues Bühnenbild mit mehr oder weniger großen Veränderungen. Bruce ist ständig unterwegs ob auf dem höheren hinteren Bereich, um den Union Jack zu schwenken, oder ganze vorne noch vor seinen saitenzupfenden Kollegen, ständig von links nach rechts rennend um nur zum Singen mal zum Stillstand zu kommen. Je nach Thematik untermalt er den Gesamteindruck mit wechselnden Verkleidungen und Utensilien. Meist passt das wunderbar zum entsprechenden Song und hat seine Wirkung, manchmal wirkt es irgendwie albern, wenn er mit einem Pappschwert bewaffnet über die Bühne wirbelt und mit Riesen-Maskottchen Eddie (The Trooper) kämpft.

Doch das ist in Ordnung so. Der aufmerksame Zuschauer bemerkt natürlich die dahinterliegende Idee, so dass es irgendwie sympathisch ist, wie er sich dabei selbst auf den Arm und damit nicht ganz so ernst nimmt. Das gleiche gilt für Gitarrist Janick Gers, wenn er sich sein Instrument um den Körper wirbelt, was meistens nicht den Eindruck macht, als würde er das vor der Show geübt haben. Der Stimmung tut es gut und der Spielfreude keinen Abbruch.

Nach The Wicker Man folgt The Sign of the Cross vom Album The X Factor, bei der Dickinson in langer schwarzer Kutte mit einem beleuchtbaren Kreuz bewaffnet auf der Bühne predigt.

Zum Ende des Mainsets hauen sie dann Schlag auf Schlag einen Kracher nach dem anderen heraus. Zunächst ist es Fear of the Dark vom gleichnamigen Album, bei dem das Publikum sich alle Mühe gibt, Dickinson zumindest beim Refrain zu übertönen. Der Sänger selbst ist derweil im Frack mit Phantom-der-Oper-Gedenkmaske unterwegs und genießt das Feedback aus dem Publikum sichtlich.

Iron Maiden in Action
Die Herren haben ihren Spaß.

Kaum sind die letzten Töne verklungen, beginnt mit „Woe to you, oh Earth and Sea, for the Devil sends the beast with wrath, …“ schon der nächste Höhepunkt und während gefühlte 90% des Publikums die Worte aus der Offenbarung des Johannes mitrezitieren – wie viele davon wohl tatsächlich wissen, dass sie aus der Bibel zitieren? – wird The Number of the Beast eingeläutet. Die Energie des Publikums ist auf dem Höhepunkt und die Briten auf der Bühne geben mächtig Gas. Spätestens hier dürften sich die meisten sicher sein, ihr Eintrittsgeld gut angelegt zu haben.

Zum Abschluss des ersten Teils spielen Iron Maiden dann noch Iron Maiden vom 1980er Album Iron Maiden – das Publikum ist glücklich und tobt. Dazu gibt es auf der Bühne mächtige Feuerfontänen, die bei der nun langsam einsetzenden Dämmerung immer besser ihre optische Wirkung entfalten.

Mittlerweile gewinnt man ein bisschen den Eindruck, die Herren haben es eilig. Liegt vermutlich daran, dass die Musik bis 22 Uhr durch sein muss, da die Waldbühne ja praktisch in einem Wohngebiet liegt. Dementsprechend verlassen sie die Bühne nur kurz und stehen einen Moment später wieder vollständig für die Zugabe dort.

Waldbühne bei Iron Maiden
Zugabe auf der Waldbühne

Da geht es mit The Evil That Men Do gleich hochkarätig weiter, gefolgt von Hallowed Be Thy Name, bei dessen Refrain sich das Publikum wieder die Seele aus dem Leib brüllt und dafür sorgt, dass es am folgenden Tag besorgte Nachfragen ob der Heiserkeit gibt. Zum Abschluss präsentieren sie noch den Klassiker Run to the Hills. Das Publikum kann zwar nicht genug kriegen, lässt sich aber nach der viel umjubelten Verabschiedung schnell beruhigen. Zu den Klängen von Monty Python’s Always Look on the Bright Side of Life steigen die Gäste dann kulturell befriedigt auf den steilen Steintreppen aus dem tiefen Kessel der Waldbühne heraus und machen sich gut gelaunt auf den Heimweg.

Einmal mehr zeigt sich, mit einer Karte für ein Konzert von Iron Maiden kann man eigentlich nicht viel falsch machen. Man bekommt dafür zwei Stunden einen geilen Song nach dem nächsten vor einer ständig wechselnden Bühne präsentiert, auf der die Musikanten sichtlich Spaß haben und ein wie von der Tarantel gestochener Sänger alles tut, um seine Gäste bestmöglich zu unterhalten … und dabei hat er sich echt zurückgehalten mit Quatschen …

Setlist

  • Aces High
  • Where Eagles Dare
  • 2 Minutes to Midnight
  • The Clansman
  • The Trooper
  • Revelations
  • For the Greater Good of God
  • The Wicker Man
  • Sign of the Cross
  • Flight of Icarus
  • Fear of the Dark
  • The Number of the Beast
  • Iron Maiden

Zugabe

  • The Evil That Men Do
  • Hallowed Be Thy Name
  • Run to the Hills

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