Ein Herz für Headbanger – Die Helfer im Hintergrund (3/3)

Willkommen zu unserem letzten Teil der Serie und an alle die Teil 1 und Teil 2 bis zum Ende gelesen haben einen herzlichen Dank für euer Interesse und Geduld.

Der Ort des Geschehens

Das Rettungskonzept, welches auf 75.000 Festivalbesucher ausgelegt ist (erinnert sich noch jemand an die Flugshow?) ist Teil des RKiSH Planungskonzepts für Großveranstaltungen, welches wiederum aus Erfahrungen mit dem Wacken Open Air und in Kooperation mit der Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz (AKNZ) entstanden ist.

Letztere ist integrierter Bestandteil des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK). Grundlage ist ein mathematisches Risikomodell welches fortlaufend durch einen eigenen „Rescue-Engineer“ der Abteilung Einsatzdienst weiterentwickelt wird. Aus diesem Rettungskonzept resultierte unter anderem ein spezieller Plan, welcher das Gelände genau einteilt. So kann der Einsatzdisponent (wie schon in Teil 2 erwähnt) durch systematisches Erfragen beim Anrufer herausfinden, was der Anrufer in seiner Umgebung sieht und dadurch Rückschlüsse auf den Aufenthaltsort ziehen… sofern dieser sprachtechnisch noch dazu in der Lage ist. Apropos in der Lage sein: die häufigste Unfallursachen auf dem WOA sind über die Jahre gesehen Verbrennungen und Pfählungen (Leute, kauft euch keine billigen Campingstühle), aber auch Stolpern über Zeltschnüre und -Heringe auf dem alkoholbedingt verlängertem „Heimweg“ oder, wie in 2015, Bänderrisse wegen Schlamm sind vorne mit dabei.

Der Funken springt über

In unserer Betrachtung haben wir jetzt also den ungefähren Einsatzort ermittelt, bleibt noch die Aufgabe eine Einheit herauszufinden und diese an den Einsatzort zu schicken um den Hilfebedürftigen zu behandeln oder zu bergen.

Hier setzt man beim Wacken auf den Digitalfunk und POCSAG-Alarmierung (entwickelt von der britischen Post Office Code Standard Advisory Group) welche auf Pagern landet. Es wird also meist per Funk nachgefragt, wer sich in der Nähe des Einsatzortes befindet und disponiert werden kann, anschliessend bekommt man dann den Einsatzauftrag auf den Pager.

Um eine Funkverbindung zu gewährleisten musste ebenfalls massiv in die Funk-Infrastruktur investiert werden, da die Digitalfunk-Basisstationen im ländlichen Gebiet mit einer derartigen Ballung an Endgeräten überfordert wären.

Auf dem WOA existieren parallel zwei Funksysteme: eines der WOA-eigenen Security (Digitalfunknetz der Firma Riedel) und eines des BOS-Digitalfunks (BOS = Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben), basierend auf dem TETRA-Standard.

Mobile Relaissation ausserhalb von Wacken
Mobile Relaissation des RKiSH ausserhalb von Wacken

Während das erste System der Security lokalen Charakter hat und jedes Jahr erneut aufgebaut wird, wurde der bestehende Digitalfunk des RKiSH um ein eigenes Regionalnetz in Wacken erweitert. So bekam der kleine Ort Wacken eine Basisstation in der Dimension einer größeren Stadt, welche auch nach dem Festivalbetrieb dort weiterhin seinen Dienst verrichtet. Die Station wird allerdings erst ab erstem Januar 2016 den sogenannten „Wirkbetrieb“ mit der Polizeiorganisation als Betreiber aufgenomen haben. Um die zusätzliche Belastung durch das Festival abzudecken, werden so lediglich weitere Antennen als Repeater benötigt. Diese Repeater sind in der Regel sehr mobil und dadurch auch schnell aufgebaut.

"Kleine" Relaisstation des RKiSH in der Kuhle
„Kleine“ Relaisstation des RKiSH in der Kuhle

Nachdem der „Hilfsbedürftige“ also nun auch gefunden wurde sieht das Rettungskonzept vor, dass die Person an einen der Rettungswege (die schönen asphaltierten Straßen die man nur schwer seufzend durch den Zaun bewundern durfte während man parallel dazu durch den Schlamm watete) gebracht und von dort mit einem Rettungswagen in das Rettungszelt zu den Sanitärerinnen und Sanitätern bzw. Ärztinnen und Ärzten des Roten Kreuzes Kaltenkirchen gebracht wird oder direkt weiter in eines der umliegenden Krankenhäusern.

DRK auf dem Wacken 2015

Zelt DRK Kaltenkirchen

Auch hier war das Jahr 2015 etwas außergewöhnlich, denn es musste auch fahrzeugtechnisch aufgerüstet werden um durch den Schlamm zu kommen.

Geländegängiger Rettungswachen
Foto: RKiSH
Geländetauglicher Krankenwagen wird durch Traktor abgeschleppt
Unterstützung durch großes Gerät

Das alleine half aber 2015 nicht, so mussten die Feuerwehren vor Ort des Öfteren einspringen und den Rettungskräften Hilfe leisten das schwierige Terrain zu meistern 😉

In ganz schlimmen Fällen kann der Krankentransport auch mit einem Helikopter geschehen welcher in unmittelbarer Nähe zum Festivalgelände starten und landen kann.

Wer aufgepasst hat wird sich fragen: Es sind ja jetzt 100.000 Personen statt 75.000, warum schlägt niemand Alarm und ruft die Kavallerie?

Die Sache ist die: In Wacken herrscht einfach ein anderer Geist als auf sonstigen Großveranstaltungen und Festivals. Wenn in Wacken jemand Volltrunken im Graben liegt oder sich sonstwie nicht mehr zu helfen weiss und es geht jemand oder eine Gruppe vorbei, dann wird nicht zuerst mal gelacht und dann ein Selfie mit dem armen Tropf gemacht, sondern die Gruppe bringt den Bedürftigen irgendwie in das erwähnte Sani-Zelt, schildert kurz was die Lage ist und zieht dann von dannen. Das ist jetzt keine Erfindung von uns sondern wurde uns so glaubhaft von offizieller Stelle übermittelt. Das Wacken Open Air ist und bleibt einfach anders: Friedlich, hilfsbereit und eine eingeschworene Gemeinschaft. Man passt aufeinander auf und daher sieht man das Risiko eher gering. Trotzdem wird auch in Zukunft das Rettungskonzept weiterentwickelt und der hohen Anzahl an Personen Rechnung getragen.

Diesem „Spirit“ ist es auch zu verdanken dass es jedes Jahr eine Fülle von freiwilligen Helfern auf Seite der Rettungskräfte gibt, selbst wenn sie der Musik an sich nicht so sehr viel abgewinnen können.

Ganz herzlichen Dank an Adam Alexander für die ausführliche Führung auf dem Festivalgelände und die schiere Menge an Informationen, letztere auch von Christian Mandel, dem Pressesprecher der RKiSH. Und natürlich nicht zu vergessen: VIELEN, VIELEN DANK an all die Helfer und Helferinnen vom Roten Kreuz Kaltenkirchen, RKiSH, Polizei und Feuerwehr die das Festival jedes Jahr auf’s Neue zu einem sicheren Ausrastplatz machen!

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