Ein Herz für Headbanger – Die Helfer im Hintergrund (1/3)

Wie schon in unserem Vorbericht erwähnt haben wir auf dem Wacken Open Air 2015 den fleißigen Rettungs- und Sanitätskräften einen Besuch in ihrem eigenen Holy Ground abgestattet.

Viel wurde schon darüber geschrieben und berichtet wie das Festival über die Jahre gewachsen ist, aber über die Sicherheitskräfte im Hintergrund wird nur äußerst selten berichtet. Wir wollen das ändern!

Herausforderungen

Mit dem Wachstum des Festivals ist natürlich auch der Anspruch an das Sicherheitskonzept gestiegen. Waren 1990 gerade mal 800 Teilnehmer auf dem ersten Wacken Open Air (damals noch als Event eines lokalen Motorradclubs) konnte man dies noch mit einem Rettungswagen samt -Team vor Ort abhandeln. 25 Jahre später sehen die Verhältnisse nicht nur auf Seite der Besucher doch etwas anders aus. Die Rettungs- und Sicherheitskräfte mussten sich den enormen Anforderungen anpassen und sich massiv umorganisieren.

Der beschauliche Ort Wacken wächst während der Festivalwoche von etwa 1.800 auf gut 100.000 Personen an. Random-Fun-Fact diesbezüglich am Rande: die Kampfjets vom nahegelegenen Fliegerhorst Jagel, welche in den letzten Jahren des Öfteren über den Köpfen der Metalheads ihre Kreise über dem Gelände gezogen haben, vollführten keineswegs Flugshows für uns Festivalbesucher sondern waren bestückt mit hochauflösenden Kameras und hatten einen Auftrag: sie sollten die vom Veranstalter gemeldete Besucher-Zahlen (ca. 75.000 Festivalbesuche) verifizieren. Und siehe da – die Bundeswehr bescherte dank ihrem Taktischen Luftwaffengeschwader 51 (Immelmann) und ihrer Luftbildstaffel etwas exaktere Zahlen. Die tatsächlichen Verhältnissen spiegeln nicht ganz die gemeldeten wieder. Gezählt wurden etwa ein Drittel(!!!) Besucher mehr ‒ insgesamt waren auf dem Festival rund 100.000 Personen.

Diese nicht unbeachtliche Anzahl von Personen auf so engem Raum muss natürlich auch im Notfall ärztlich betreut bzw. in ein Krankenhaus gebracht werden können.  Von einer Evakuierung des gesamten Geländes wollen wir zwar nicht mal (alb-)träumen, die Sicherheitskräfte dürfen dieses Szenario aber  nicht außen vor lassen…Sprich: eigentlich will man die Leute überhaupt nicht sehen müssen, ist aber froh wenn man genau weiß dass sie sofort zur Stelle sind wenn man sie doch braucht… und vor Allem dass sie auch entsprechend vorbereitet sind.

Backstage bei den Rettungskräften

Zwischen Infield, Bullhead City Circus und Pressebereich ist ein recht großes Areal welches die Einheiten der Polizei, der Feuerwehr, die Festival-Seelsorger und vor allem natürlich des Sanitäts- und Rettungsdienstes beherbergt.

Luftbild Wacken
Luftbild: Wacken Open Air 2015 – Best of Aerial Shots (youtube)

Inmitten des Bereichs ist ein großes Zelt in dem die Erstversorgung von Patienten durchgeführt wird. Von hier aus werde schlimmere Fällen auch in Krankenhäuser weitertransportiert. Der Sanitätsdienst des Festivals wird seit über zehn Jahren organisiert vom Deutschen Roten Kreuz Kaltenkirchen, die Rettungskräfte von der Rettungsdienst Koordination in Schleswig-Holstein (RKiSH). An der Stelle sei erwähnt: das DRK Kaltenkirchen kann den Personalbedarf für das Metalspektakel selbstverständlich nicht alleine aus eigenen Kräften abdecken. Auf einer eigens dafür eingerichteten Webseite kann man sich als Sanitäter oder Notarzt für den Festivalzeitraum bewerben. Der Dienst ist allerdings sehr gefragt, im Schnitt kommen zwei Bewerbungen auf einen Platz.

Infrastruktur-Update

Während Wacken also kurzzeitig zur Großstadt wird, wird auch einiges an Personal und Material benötigt. Hier mal ein paar Zahlen:

  • täglich gut 200 Polizisten
  • und 200 Feuerwehrleute
  • von 23 verschiedenen Feuerwehren im Einsatz
  • 800 private Ordner und Sicherheitskräfte
  • Insgesamt 450 Rettungskräfte aus ganz Deutschland
  • die 14.000 ehrenamtliche Dienststunden auf dem Festival leisten
  • Über 100 hauptberufliche RKiSH-Rettungsassistenten
  • 12 Notärzte
  • 32 RKiSH-Azubis im Rahmen der praktischen Ausbildung
  • 18 Seelsorger
  • 14 Rettungswagen (RTWs)
  • 3 Noteinsatzfahrzeuge (NEFs)
  • Sanitätszelt mit 3 Intensivplätzen und 37 Plätzen zur Grundversorgung
  • 2 weitere Unfall-Hilfstellen
  • 2014: 3.400 Behandlungen im Sanitätszelt und 208 Einsätze
  • 2014: 273 gemeldete Straftaten, davon 13 Körperverletzungen
  • 2015: 3.000 Behandlungen im Sanitätszelt und 171 Einsätze
  • 2015: 157 gemeldete Straftaten, davon 12 Körperverletzungen
  • Ein Jahr Planung mit 150 involvierten Personen (nach Wacken ist vor Wacken)
  • 1,5 Monate vor Festivalbeginn startet die „heiße Phase“.
Motorisierte Rettungssanitäter auf Quads
Motorisierte Rettungssanitäter

Nadel im Heuhaufen

Nicht alle Kunden finden von sich aus den Weg zur Zeltstadt der Rettungskräfte. Die, die ihn nicht finden oder nicht mehr lauffähig sind müssen entweder noch am Ort des Geschehens behandelt oder abgeholt werden. Aber wie verständigt man die Sanis auf dem Festival? Die Antwort ist einfacher als vermutet: man wählt den Notruf!

Am anderen Ende der Leitung meldet sich dann jemand der eine verfügbare Einheit (bestehend aus mindestens zwei Rettungs- bzw. Sanitätskräften) ermittelt und zu dem Einsatzort schickt.

Um dieses andere Ende der Leitung, verfügbare Einheiten und den Einsatzort  kümmern wir uns dann in den nächsten beiden Teilen.

Hier geht’s weiter zu Teil 2

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