W:O:A Metal Battle – Hinter den Kulissen (3/3)

Wer schon mal auf den Metal Battle in Wacken gewesen ist kennt diesen Anblick:

Bullhead City Circus 2014
Bullhead City Circus… W.E.T oder Headbangers Stage

Machine Nitrox auf dem WOA 2015
Maschine Nitrox

Der Vorhang geht auf, nachdem die Menge vom Einpeitscher Maschine Nitrox (der dieses Jahr bei seinen Ansagen gefühlt immer schon im Jahr 2016 war) heiß gemacht und zurechtgelegt wurde.

Es erwartet einen eine Band welche man (aller Wahrscheinlichkeit nach) zuvor noch niemals live gesehen hat. Eine Band, welche in einem Vorentscheid eines der bislang 40 teilnehmenden Länder als Sieger hervorging.

Für die Band wiederum erfüllt sich ein Traum, sie platzen beinahe vor Aufregung und werden in aller Regel von der Menschenansammlung überwältigt, da sie zuvor noch nie vor so vielen Leuten gespielt haben. Oft entsteht daraus ein einzigartiger Moment für Band und Publikum.

Das hat auch uns in den Bann des Battles gezogen…

Nach den einleitenden Teilen eins und zwei kommt nun der dritte und letzte Teil aus unserer Metal Battle-Beitragsreihe. In diesem Teil wollen wir vom großen, alljährlichen Finale auf dem Wacken berichten.

Die Bands und Nationalitäten

Wie schon in Teil zwei erwähnt sind 40 Nationen bzw. Regionen als Metal Battle Teilnehmer gelistet, von denen 30 Bands am Finale teilnehmen können. Darunter sind nicht nur die allseits bekannten Metal-Hochburgen (wie die skandinavischen Länder oder auch Deutschland) sondern eben auch Bands aus dem Mittleren Osten, Israel, Indien oder China.

Die Jury

Die Jury des Finales in Wacken setzt sich aus den Promotern der jeweiligen Ländern (eine Stimme pro Land, auch wenn das Land selber nicht am Battle teilnimmt) sowie die Battle-Organisatoren von Wacken (u.a. Sascha Jahn von ICS und Endstille).

Sascha von Endstille bei der Metal Battle Preisverleihung 2015
Metal Battle Juroren Sascha und Gunnar

Die Juroren sind zwar prinzipiell im Vorfeld über eine (streng geheime) facebook-Gruppe lose organisiert, es gibt aber auch einen engen Kontakt zu der Wacken-Orga. Bevor es diese Gruppe gab lief alles über Mailinglisten – mit den bekannten Nebenwirkungen (vieles ging unter durch Spamfilter, etc.).

Doch wer denkt, Jurymitglied sein ist ein entspannter Job liegt vollkommen falsch – nicht nur für die Bands gelten harte Regeln im Battle: Die wertenden Teilnehmer des Battle müssen jeden Auftritt (zumindest in Teilen) gesehen haben, ansonsten sind sie für das komplette Battle disqualifiziert.

Um das überhaupt durchzustehen sind für viele Jurymitglieder bei jeder Band die ersten drei Songs ausschlaggebend für die Bewertung: Der erste Song sorgt für eine Einschätzung, der zweite zum eventuellen revidieren und der dritte dann letztlich zur Festigung der Meinung. Deshalb gibt Jeannot (Promoter Luxemburg) diesen Tipp auch an die Bands weiter: Die ersten drei Songs müssen unbedingt sitzen sonst wird es schwer!

Die Wertung

Die jeweiligen Faktoren der Band-Bewertung sind nicht vorgegeben und werden von jedem anders gehandhabt.

Jeder Juror wählt aber (wie auch am Beispiel des Vorentscheides Luxemburg in Teil 2 beschrieben)  seine Plätze 1 bis 3 und vergibt dabei für seine Rangliste 3 bis 1 Punkt an die jeweilige Band (Platz 1 = 3 Punkte, Platz 2 = 2 Punkte, usw.)

Ein Gitarrist bewertet dabei unweigerlich mehr das Gitarrenspiel als Faktor als jemand der Gesang studiert hat und/oder selbst Sänger ist. Der persönliche Geschmack oder Präferenzen der Stilrichtung eines jeden Jurymitglieds spielen selbstverständlich auch eine Rolle. Bei den (auch mal recht hitzig geführten) Diskussionen über die Bands profitiert dabei jedoch jeder Juror von der Erfahrung und Vorbildung der anderen, da sich im Dialog darüber die eigenen Vorstellungen schnell relativieren. Mit den schlussendlichen Gewinnern kann dann daher jeder einzelne Vertreter der Länder leben, auch wenn seine Wertung eventuell gänzlich anders lag.

Die Gewinner

Gewinner des Metal Battle 2014 - In Mute
Die Gewinner 2014 – [IN MUTE]
In den ersten neun Jahren gab es immer jeweils nur einen offiziellen Gewinner des Wettbewerbs. Das hat sich aber verändert im Laufe der Zeit. Bis zum Finale 2014 bekam der einzige offizielle Gewinner einen Plattenvertrag, zunächst mit Wacken Records, später dann mit dem in Szenekreisen weltbekannten Label Nuclear Blast. Leider kam es dabei zu keinem einzigen Abschluss. Die Bands haben entweder im Vorfeld (wenn auch unwissentlich) einen Regelverstoß begangen indem sie bereits bei einem anderen Label unterschrieben hatten,  stellten (aus Sicht der Labels) völlig überzogene Anforderungen oder aber sie wollten schlichtweg nicht von dem Angebot Gebrauch machen, denn auch wenn sie den Vertrag gewonnen hatten waren sie nicht zur Annahme verpflichtet.

2014 haben die Veranstalter dann gemeinsam mit den Promotern eine radikale Umstrukturierung vorgenommen um sowohl dem veränderten Markt als auch den Bands gerecht zu werden und näher auf sie einzugehen bzw. sie besser zu unterstützen.

So gibt es seit 2014 daher nicht nur einen einzelnen Gewinner sondern gleich fünf (das ist vor allem für Bands aus Ländern wichtig, die Unterstützung des Staates erhalten, wenn sie Wettbewerbe gewinnen). Im Zuge dessen wurden selbstverständlich auch die Preise angepasst. So gibt es seitdem neben den ebenfalls neuen Geldgewinnen (1.000 bis 5.000 Euro) auch Sachpreise (u.a. von Randall, Washburn oder Pearl) sowie PR-Unterstützung. Ebenfalls wurde viel hinter den Kulissen verändert – in einer speziellen Lounge wird den Bands das Netzwerken mit anderen Spielern des Musik-Business wie Vertretern von Labels oder auch Herstellern erleichtert.

Schlußworte

Ob man in Zukunft mehr von den Metal Battle Gewinnern hören wird als in den vergangenen Jahren wird die Zukunft zeigen. Wir werden dieses (unserer Meinung nach) großartige Projekt der Nachwuchsförderung jedenfalls weiter mit voller Begeisterung verfolgen!

An dieser Stelle wollen wir uns erneut bei unseren Interviewpartnern für Ihre Geduld, Zeit und Hilfsbereitschaft bedanken. Ohne sie wäre uns der Blick hinter die Kulissen des Battles so nicht möglich gewesen. Zudem haben wir wieder einmal bestätigt bekommen, wie offen und hilfsbereit die Metal-Community ist und vor allem auch, dass wir alle die Community sind!

Natürlich haben wir die beiden auch ausgefragt was für sie das seltsamste Erlebnis auf den Battles bislang war. Während Dirk hier kein Erlebnis nennen konnte nannte Jeannot einen denkwürden Abend mit den rumänischen Teilnehmern God – The Barbarian Horde (auch bekannt aus dem Wacken 3D Film), bei dem er unter anderem Ciorbă de burtă (Kuttelsuppe) essen und zum Verdauen ihren selbstgebrannten Schnaps mit vertilgen durfte – der Vorrat an diesem nahm jedoch nicht wirklich ab – denn sie verdünnten diesen kurzerhand mit Alkohol aus Kanistern als dieser zur Neige zu gehen drohte.

Als schönstes Erlebnis wollten bzw. wollten beide kein einzelnes Ereignis herausgreifen. Allerdings ließen sich die beiden doch noch zu einem Statement nötigen: während Jeannot das Gesamterlebnis und noch den Fakt „Kein Meeting ohne Caipirinha“ lobt, ist für Dirk  das Engagement von Thomas Jensen und Holger Hübner (die beiden verbliebenen Gründer des Open Airs und CEOs von ICS) immer wieder begeisternd, da das Metal Battle für die Veranstalter keinen finanziellen Mehrwert sondern sogar eine Unmenge an Kosten und Arbeit bedeutet und trotzdem an dem Konzept festhalten.

Soviel zu den Kommerzialisierungsvorwürfen gegenüber dem W:O:A.

Zum Schluß wollen wir uns noch den Worten von Dirk Bottländer anschließen:

„Wenn Nachwuchsförderung, dann ist das die beste Plattform dafür!“

 

 

 

 

 

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