W:O:A Metal Battle – Hinter den Kulissen (2/3)

In diesem Teil berichten wir über die Heavy Metal Szene in Luxemburg und das Verfahren zum nationalen Vorentscheid des dortigen Metal Battle.

Die nachfolgenden Informationen stammen in erster Linie von Jeannot Hutchinson, welchen wir euch schon in Teil 1 vorgestellt haben.

Metal in Luxemburg

Luxemburg ist ein Großherzogtum im Zentrum Europas und vielen nur als Bankenstandort und Sitz vieler EU-Institutionen bekannt. Mit Schwermetall wird man das zweitkleinste Land der EU (nach Malta) eher weniger in Verbindung bringen. Sehr zu Unrecht, wie wir finden.

Die Szene in Luxemburg ist, bedingt durch die relativ kleine Fläche des Landes (etwa so groß wie das Saarland, aber nur gut eine halbe Million Einwohner), mit 40 – 50 Bands überschaubar. Die vorherrschende Stilrichtung ist „Core“ in allerlei Ausprägung. Zudem sind die Bands gut untereinander vernetzt da nicht selten die Bandmitglieder einer Band auch in diversen anderen Bands ihre Künste darbieten.

Bandförderung

Luxemburg investiert merklich in den musikalischen Nachwuchs, auch wenn man von skandinavischen Verhältnissen noch weit entfernt ist, von denen man sich hier im Interview von detektor.fm mit der schwedischen Botschafterin eine Vorstellung machen kann:

Eine staatliche Bandförderung gibt es in Luxemburg zwar nicht direkt, es gibt aber staatliche Unterstützung durch das Export-Büro Music: LX welche den Bands (natürlich nicht ausschließlich Metal Bands) unter die Arme greift bei Promotion und Tourkosten und vor allem auch mit Rat und Tat zur Seite steht.

Zwei der wichtigsten Locations im Großherzogtum sind die Rockhal, welche durch die Centre de Musiques Amplifiées (CMA) (so etwas wie die Kulturgesellschaft  Luxemburgs für „verstärke Musik“) verwaltet wird sowie die Kulturfabrik. In beiden Locations stehen  Proberäume zur Verfügung. In der Rockhal stehen den Bands zusätzlich auch Ansprechpartner zur Seite, welche den Bands bei allerlei organisatorischen Fragen zur Seite stehen, falls dies gewünscht ist.  Zudem werden in der Rockhal auch günstig Räume für Probekonzerte oder Aufnahmen zur Verfügung gestellt und es bietet sich dort in den hauseigenen Studios die Möglichkeit ein Demo aufzunehmen.

Die Wacken Open Air Metal Battles

Das Metal Battle wurden erstmals im Jahre 2004 ausgetragen. Durch die Regelung, dass nur Bands ohne Plattenvertrag teilnehmen dürfen welche eigene Songs spielen ist der Contest als internationale Band- bzw. Nachwuchsförderung zu sehen.

In nationalen Vorentscheidungen werden 30 Teilnehmer aus 40 Nationen ermittelt, welche dann auf dem Wacken Open Air ihr können zum Besten geben. Sie werden hier durch eine internationale Fachjury bewertet – doch um das große Finale auf dem W:O:A kümmern wir uns im folgenden Teil der Artikelserie.

Für heute liegt unser Hauptaugenmerk auf den nationalen Vorentscheiden und im Speziellen auf dem Metal Battle Luxemburg.

Bewerbung als Metal Battle Teilnehmer

Möchte sich eine Band zur Teilnahme bewerben muss sie ein paar Punkte erfüllen, die für jedes teilnehmende Land gelten:

  • Man darf keinen Plattenvertrag haben
  • Man darf nicht dabei sein, bei einem Label aufgenommen zu werden
  • Man muss mind. 20 Minuten mit eigenen Songs füllen können
  • Man darf noch kein nationales oder internationales MB gewonnen haben (wohl aber teilgenommen)

Sind diese Bedingungen erfüllt, kann sie sich mit einem Demo (drei bis vier Songs), einer (kurzen) Bandbio und ein paar Fotos bei dem jeweiligen nationalen Promoter bewerben. Die Bewerbungsphase läuft in der Regel von September bis Dezember (bzw. spätestens Januar) und der Vorentscheid mit den Live-Auftritten dann im März bis (eigentlich) spätestens April, da in diesem Zeitraum meist wenig Live-Konzerte bzw. Open-Airs stattfinden.

Das Auswahlverfahren zum Metal Battle Luxemburg

Die Bands, die sich für ein Battle in Luxemburg beworben haben, werden in einem ersten Schritt von einem Teil der Jury des Landes bewertet. Das Auswahlverfahren läuft meist so ab, dass jeder Juror ein persönliches Ranking der ersten drei Plätze abgeben kann. Für den ersten Platz werden drei Punkte, für den zweiten Platz zwei und für den dritten Platz ein Punkt vergeben. Am Schluss werden die Punkte aller Juroren addiert und es entsteht eine Rangliste von welcher dann je nach Land bzw. Vorentscheid unterschiedlich viele Bands eingeladen werden – im Falle von Luxemburg bekommen auf diese Weise die ersten sechs Bands die Chance beim Battle anzutreten.

In der Natur eines Wettbewerbes liegt es, dass es nur eine Band in die Endrunde schaffen kann. Doch auch die verbliebenen Teilnehmer werden nicht ihrem Schicksal überlassen sondern bekommen wertvolle Tipps und konstruktive Kritik weshalb es (dieses Mal) nicht geklappt hat und was man aus Sicht der Juroren in Zukunft besser machen könnte.

So hat es bei einer Band in Luxemburg drei Anläufe gebraucht bis sie es zu dem nationalen Vorentscheid geschafft und diesen dann auch prompt gewonnen haben.

Die Teilnehmer der Auswahlrunde werden persönlich angerufen sobald sie feststehen. Wobei sich Jeannot einen kleinen Spaß erlaubt und immer nur eine Band pro Tag anruft… was die Leidensfähigkeit der anderen Bands bei fortschreitender Woche auf eine harte Probe stellt. Zumal sich, wie eingangs erwähnt, die meisten Bands bereits kennen.

Ein Problem bei den Metal Battles und so auch in Luxemburg ist, dass sich nicht alle Bands die für eine Bewerbung in Frage kommen auch tatsächlich bewerben wollen. Jeannot hat zwar einen sehr guten Überblick über die Szene und genießt auch eine große Nähe zu den Bands, doch vor allem die Bands aus dem Thrash-,  Death- oder klassischem Heavy Metal Bereich finden eine Teilnahme an einem derartigen Contest schlicht und einfach „untrve“. Die Chance, im Rahmen dieser Möglichkeit ein solides Netzwerk aufzubauen wird leider nicht gesehen, bzw. das wird für die Ideale in Kauf genommen. Das führt dann letzten Endes allerdings dazu, dass sich meist dieselben Gruppen wie in den Vorjahren bewerben

Die Organisation des Battles

Das Orga-Team MB Lux umfasst im harten Kern „nur“ Dirk und Jeannot. Insgesamt arbeiten allerdings alleine am Battle in Luxemburg 16-20 Leute – inklusive eigenem Koch: Denn:

„wenn man die Bands schon nicht bezahlt, muss man sie trotzdem respektieren und würdigen“.

Im Großen und Ganzen haben die Organisatoren in Luxemburg freie Hand das Battle durchzuführen, allerdings werden sie nicht vom W:O:A-Team alleine gelassen. So unterstützen der VeranstaIter ICS und Manuel Liebler, seines Zeichens Autor bei Metal Hammer und Juror bei den Metal Battle Finals für Deutschland, die Durchführung des Vorentscheides. Im Bereich Soundtechnik bekommen die Battles ebenfalls Unterstützung von teilweise namhaften Firmen, allerdings ist diese an die Teilnahme bei den Battles geknüpft. Man bekommt also auch hier nichts geschenkt.

Aufgrund der kleinen Szene hat sich Luxemburg dazu entschieden nur alle zwei Jahre einen Vertreter zu den Endauscheidungen auf dem Holy Ground zu schicken. So umgeht man ohnehin das Risiko bei 30 Slots und 40 Nationen per Losentscheid rauszufliegen (um dann aber um Folgejahr automatisch gesetzt zu sein).

Eine von uns angeregte Erhöhung der Slots halten beide für nicht sinnvoll, da es zum Einen jetzt schon eine Mammutaufgabe für die Fachjury darstellt (JEDE Band muss zumindest zum Teil gesehen bzw. gehört werden) und zum Anderen die Qualität der Battles hoch hält.

Der Metal Battle Luxemburg

Der Landesvertreter wird an einem einzigen Abend ermittelt – ein Vorteil des kleinen aber lauten Landes. Eine weitere luxemburgische Spezialität besteht darin, beim und vor dem Battle selbst nie eine Running Order zu veröffentlichten – so kommen fast alle Besucher pünktlich zum Beginn und nicht erst zu „ihrer“ Band. Dank diesem Kunstgriff hat auch schon die erste Band meist mindestens 400 Besucher denen sie einheizen kann.

Aber das war nicht die letzte Raffinesse made in Luxemburg: jede Band kann eine beliebig lange Liste an Personen einreichen (die sogenannte Buddy List). Jeder gelistete Besucher darf dann zwei Euro weniger an Eintritt bezahlen und der Clou ist: für jeden dieser Gäste bekommt „ihre“ Band einen Euro von den Ticketeinnahmen ab. Aber wichtig dabei ist: die Juroren wissen dabei nicht wie viele Besucher welche Band „angelockt“ hat, damit das nicht in das Urteil einfließen könnte. Ansonsten bekommen die teilnehmenden Bands keine weiteren Gagen.

Als Kriterium der die Punktevergabe für den Auftritt beim Battle wird neben den musikalischen Fähigkeiten selbstverständlich auch die Performance und die Interaktion mit dem Publikum gewertet: „Unter’m Strich zählt das Entertainment“. Auch hier vergibt jeder Juror sechs Punkte in absteigender Tendenz, drei für den ersten Platz, zwei für den zweiten und letztlich einen für seinen persönlichen Drittplatzierten..

Der Gewinner wird noch am selben Abend bekannt gegeben und fährt als stolzer Landesvertreter für Luxemburg, welches seit 2007 an den Battles teilnimmt, zu den Finals auf dem Wacken Open Air. Nicht aber ohne zuvor gebührend seinen Sieg mit allen anderen Bands zu feiern.

Im nächsten und letzten Teil berichten wir euch, was uns die beiden über das große Finale auf dem heiligen Acker verraten haben.

 

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