40 Jahre Motörhead, Rockhal – Luxemburg

Als wir gegen 20:00 eintreffen (Einlass war 19:00) hören wir bei deutscher Bratwurst mit französischem Baguette und luxemburger Bier noch die letzten Songs der Vorband.

Nach guter Metalmanier verabschiedet sich die Combo mit den Worten „We are fgrs*dff#dre from grmblmblllm„. Mir ist es leider bisher nicht gelungen den Namen der Band zu recherchieren. Aber wer VOR Motörhead spielt ist (mir) eigentlich egal.

Nachdem es nun 21:00 Uhr geworden ist und Lemmy und seine Mannen eigentlich schon seit einer halben Stunde spielen sollten, werden die Sprechchöre immer lauter und die Witze gehen  in die Richtung „Ey – haste gehört? Die haben hinter der Bühne jetzt alles altersgerecht umgebaut und barrierefrei gemacht“ und  „vielleicht muss der automatische Defibrillator ja noch auf „Rock’n’Roll“ umgestellt werden…“ Eine Viertelstunde später geht das Licht aus und Lemmy erklärt hilfsbereit dem buntgemischten Volk, wer sie sind und was sie tun.

Danach geht es ohne Umschweife direkt zu „We are Motörhead“, das der begeisterterten Meute mit dem althergebrachten Sound und Lautstärke um die Ohren gehauen wird.
Zu Motörhead selber braucht man – ähnlich wie zu AC/DC – eigentlich kein Wort mehr zu verlieren.  Wer heute Abend hier hergekommen ist erwartet keine Schnörkel, keine kompositorischen Schmankerl, keine langen Ansagen oder ähnlichen Quatsch… Motörhead bieten nun seit 40 Jahren und 22 Alben dreckigen, ehrlichen und verdammt lauten Rock’n’Roll.

Ohne unnötiges Geschwafel folgen nun einige Kracher der Bandgeschichte „Damage Case“, „Stay Clean“, „Metropolis“ und „Over the top“… danach gibt Wizzö sich mit einem minutenlangen Gitarrensolo die Ehre, während Lemmy hinter der Bühne nach Luft schnappen kann.

Man merkt Herrn Kilmister immer noch die Nachwehen von 2013 an und auch ansonsten ist es ein Wunder, dass dieser Mensch (?) mit seinen 69 Jahren und seinem Lebenswandel noch immer über den Erdenrund wandelt. Er lebt zwar seit ein paar Jahren „gesünder“ (nur noch 2 Flaschen Rotwein und etwas Speed am Tag, statt  Whiskey aus Eimern), aber das alte Schlachtross ist ein wenig müde geworden.

Nach dem Solo folgen nun einige oldschool classics  und das einzige „moderne“ Stück „Lost Woman Blues“ vom 2013 erschienen Album „Aftershock“. Nach diesen 4 Songs zeigt Mister Mikkey Dee (den Lemmy regelmässig mit den Worten „The best drummer in the world“ vorstellt),  wie man mit Doublebass-Attacken das ALLERLETZTE aus den Subs einer PA rauskitzeln kann. Was dieser Mann während der Show leistet ist wirklich beachtlich und mir drängt sich die Frage auf, ob er nicht eventuell der Vater von Animal aus der Muppet Show sein könnte…

Hernach folgte etwas, was man nicht dramatischer hätte planen können:
Gerade, als Lemmy den Refrain von Orgasmatron mit den Worten “My name is called religion, sadistic, sacred whore” beendete, quittiert das Soundsystem mangels Strom seinen Dienst… nach 5 Minuten spielen die 3 Recken einfach weiter, als sei nichts geschehen.

Bevor der offizielle Gig zuende war folgten (als einer meiner persönlichen Highlights) „Going to Brazil“ und das unvermeidbare „Ace of Spades“

Als Zugabe versuchten die drei sich zweimal an einem mir unbekannten Song von “Mikkey Dee’s first album” zu dem Lemmy jedes Mal den falschen Text anstimmte und nach der ersten Strophe mit den Worten „Sorry – we fucked up“ abbrach…

Zum krönenden Abschluss wurde uns dann noch „Overkill“ um die geschundenen Ohren gehauen – und der Zauber war nach etwa 50 Minuten reiner Spielzeit (ohne Solos und technischer Probleme) viel zu schnell vorbei.

Trotz einiger technischer Probleme haben Motörhead gezeigt, dass sie trotz 40 Jahren Rock Business immer noch in der Lage sind Ärsche zu treten!

Auch auf die Gefahr hin, dass mir das jetzt als Majestätsbeleidigung ausgelegt wird:
Lemmy, Du hast es schon zu Lebzeiten geschafft, eine Legende zu werden. Deine Einstellung und Deine Ehrlichkeit haben mich immer überzeugt. Mach mir dieses Bild jetzt nicht zum Schluss kaputt und akzeptiere einfach, dass das Leben in den letzten Jahren ziemliche Spuren an Dir hinterlassen hat. Mach zu Deinem 70. ein Riesenfass auf, veröffentliche noch 2-3 geniale Platten und Spiele noch ein paar richtig geile Konzerte und Festival-Gigs…

… aber eine Tour – denke ich – solltest Du Dir nicht mehr antun!

Damit die Statistiker unter euch auch bedient werden hier die

Setlist:

1  We Are Motörhead (Das erste mal live seit 2011)
2  Damage Case
3  Stay Clean
4  Metropolis
5  Over the Top
Guitar Solo
6  The Chase Is Better Than the Catch
7  Rock It
8  Lost Woman Blues
9  Doctor Rock
Drum solo
10 Orgasmatron (unterbrochen von einem Bühnenstromausfall)
11 Going to Brazil
23 Ace of Spades

Zugabe:
1  UNBEKANNT (Lemmy singt den falschen Text)
2  UNBEKANNT (zweiter Versuch, Lemmy singt falschen Text)
3  Overkill

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