Das Jubiläums-Wacken 2014 – Unser Eindruck

Happy Birthday Wacken

Das Wacken Open Air hatte 2014 sein 25. jähriges Jubiläum. Im Vorfeld hatten sich alle die ein Ticket ergattern konnten (nach noch nicht einmal 48 Stunden waren die 75.000 Karten für das Wacken ausverkauft!) schon tierisch auf das Jubiläum gefreut. Wie schon mittlerweile Tradition, wurden zum Ende des 24. WOA erste Bands für 2014 bekannt gegeben – das waren schon alles keine unbekannte Namen: Amon Amarth, Apocalyptica, Arch Enemy (mit neuer Sängerin), Avantasia (einzige europäische Festival Show), Behemoth, Children of Bodom, Emperor (wiedervereinigt), Iced Earth, King Diamond, Prong, Kreator und Schandmaul. Doch irgendwie hat jeder noch auf einen richtigen Knüller gewartet.

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Headliner Spekulationen

Alle waren sich sicher: es wird bestimmt einen richtigen Knaller als Headliner für das große Jubiläum geben. Darüber wurde im Vorfeld fleißig in den verschiedensten Stellen spekuliert – der Metal-Hammer, in der Huffington-Post, bei den Schweizern von 20 minuten, bei der BILD, oder bei den Festivalisten und in vielen anderen Foren und bei beinahe jedem Aufeinandertreffen von Wacken-Gängern. Man hoffte auf den (auch schon Kult-Status DSC_3676erreichten) jährlichen Adventskalender mit seiner Ankündigung an Weihnachten 2013. Doch was wurde da als Knüller verkauft? Megadeath… Naja… Eigentlich hatten die Metalheads der Welt sich für ihre Pilgerreise zum Metal-Mekka für das Silberfestival Metallica, AC/DC, Black Sabbath oder „wenigstens“ die Böhsen Onkelz erhofft. Standen die Sterne doch gar nicht schlecht für die eben genannten Bands. Doch es wurde nichts daraus. So blieb es bei vielen eingeschworenen Fans bei (vorläufigen) einer Entäuschung über ein eigentlich doch recht ansehliches Lineup.

Der Trubel um die Tickets

Der Frust wurde weiter angeheizt durch das neue Verfahren um die begehrten Tickets. Die Veranstalter wollten – nach eigener Aussage – den Schwarzmarkthandel unterbinden. Dazu wurden die Tickets für das 25. Wacken Open Air  zum horrenden Preise auf dem „Schwarzmarkt“ (ebay) für Tickets unte ersten Mal nur noch personalisiert versendet und dann mittels Ausweis an der Kasse geprüft. Ein Weiterverkauf der Tickets war nur möglich über eine Anonyme Ticketbörse oder einen Service zur Namensänderung – beides kostete selbstverständlich extra (15 Euro). Kurz vor dem Festival wurde dann auch bekannt gegeben, dass auch noch auf dem Wacken der Name geändert werden kann – natürlich auch gegen 15 Euro. Das machte die Sache allerdings auch nicht besser. „Alles nur noch Kommerz!“ wurde dem Festival unter anderem vorgeworfen. In die gleiche Bresche schlug auch der anstieg der Ticketpreise von 140 auf 160 Euro. Und für was? Für mehr Jahrmarktspektakel und noch weniger Metal?

Das alles zusammen sorgte dann für Preise von unter 50 Euro für Kurzentschlossene. Zu diesen Dumpingpreisen wurden Tickets direkt vor und noch während des Festivals im Dörfchen Wacken verschleudert.

Nach dem Festival 2014 wurde dann gezwungenermaßen zurückgerudert. Zwei Stunden vor dem Vorverkauf für das Wacken 2015 wurde angekündigt, dass es ab sofort keine personalisierten Tickets mehr geben wird. Der Grund war allerdings ein Rechtsstreit mit ebay. Bleibt abzuwarten, welche Auswirkungen es beim diesjährigen Festival haben wird. Unser Eindruck bezüglich der DSC_3876Personalisierung 2014 war auf jeden Fall (retrospektiv) ein sehr positiver – es waren gefühlt sehr viel weniger Touristen auf dem Wacken. Und das obwohl Mainstream Medien ein Spektakel aus unserem Jahreshighlight machen und somit das Festival einer breiten Masse unpassender Besucher schmackhaft machen.  Hoffentlich wird auch 2015 die Anzahl der Spaßbesucher überschaubar bleiben. Bei aller Toleranz gegenüber Fans anderer Musik-Genres, aber wir wollen weder Hip-Hop, noch Techno oder im schlimmsten Fall Schlager (ver@§$&% Helene Fischer) lautstark auf dem Campground hören. Und noch bedeutend wichtiger: wir wollen nicht, dass ein so friedliches Festival durch Nicht-Metalheads zu einem „Rock am Ring“ wird. Das Wacken ist eines der friedlichsten Festivals der Welt. Und letztes Jahr wurde auch wieder die Anzahl der Delikte der Vorjahre unterboten. Vielleicht genau weil weniger Fremde anwesend waren…

Auf jeden Fall war es uns – wie auch die Jahre zuvor – problemlos möglich Tickets innerhalb unserer doch recht stattlichen Gruppe zu tauschen und jeden somit mit Tickets versorgen zu können.

Das Wacken ist eröffnet

Als das W:O:A dann endlich seine Pforten für die angereisten Fans öffnete kamen schon die nächsten Enttäuschungen.  Wie bereits vorab angekündigt, wurden unter anderem die Bändchenausgabe und das Durchgangskonzept völlig überarbeitet.

Die Bändchen, welche den Zugang zum Festival gestatten, gab es dieses Mal nur noch an einem einzigen zentralen Punkt. Ewig lange Schlangen waren die Folge. Doch auch hier muss man im Nachhinein sagen: die Wartezeiten waren trotz der enormen länge der Schlange extrem kurz! Es dauerte keine fünfzehn Minuten – und das, obwohl die Schlange sich über (gefühlt) einhundert Meter zog.

DSC_3656Nicht so optimal war das neuartige Konzept zum Infield Zutritt. Es sollte durch vorgelagerte Einlasskontrollen dafür sorgen, dass es auf dem Infield entspannter zugeht. Sicherheitsbedenken waren anscheinend auch ausschlaggebender Grund, jedoch hat man z.B. Samstags gesehen, dass dies bei einer Öffnung um 12:00 Uhr und gleichzeitigem Auftritt einer „großen“ Band (Arch Enemy)  schnell zu einem Risiko wegen zu grossem Andrang werden kann. Alsbald forderte die Menge Einlass mit Rufen wie „wütender Mob, wütender Mob!“ und „Wir sind das Volk!“. Es gab zudem nur noch zwei Zugänge mit Kontrollen. Diese waren dem Wackinger bzw. dem Metal-Market vorgelagert. DSC_4413Das führte zwar zu der erhofften Entspannung am Zugang zum eigentlichen Infield – es waren keine störenden Einlasstore mehr im Sichtfeld – allerdings wurde es so unmöglich, gemütlich durch das Wackinger oder den Markt zu schlendern und dabei mitgebrachte Getränke zu konsumieren. Das einzige gestattete Trinkbehältnis war ein 1-Liter-Trinkbeutel aus dem Full:Metal:Bag war ein (unappetitlicher) Witz. In Anbetracht des sehr heißen Wetters und der bescheidenen Wasserversorgung (Mineralwasser, nicht DSC_3873Leitungsplörre) und der doch ordentlichen Preise war das ein richtiger Spielverderber. Das Wetter war aber in diesem Falle auch Glück im Unglück. Die wenigen Zugänge über die täglich hunderttausende Menschen trampelten waren zeitweise eine einzige Wolke aus Staub und Sand. Da half auch das bewässern nicht viel. Allerdings ist das noch glimpflich – hätte es aus Kübeln gegossen, wie das 2012 der Fall war, dann wäre ein Besuch der Bühnen dadurch doch sehr erschwert gewesen. Glück gehabt.staubWoa2014

Sommerwetter

Das Norddeutsche Wetter war dem Wacken bei seiner Jubiläumsparty allerdings mehr als gnädig. Ein solches Sommerfeeling kommt ansonsten höchstens bei den Metaldays in Slovenien auf. Es sorgte für einen wirklich würdiges Festival. Zwar gab es aufgrund der Hitze einige Kreislaufprobleme, aber es ist kein Vergleich zu einem abgesoffenen kalten Festival. Der einzige kurze Regenschauer wurde mit Freuden empfangen und tat der Stimmung kein bisschen Abbruch.

Was jedoch bei den Fans nicht verstanden wurde, war die DSC_2646(wiederholt) miserable Eis-Versorgung und Versorgung von Getränken im Infield. Klassisch kühlt der Metalhead bei einem Festival sein Mitgebrachtes (Bier und Steaks) mit in den Shops auf dem Campground erhältlichen Eiswürfeln und Crushed Ice. Leider gab es im vergangenen Jahr schon am Mittwoch kein Eis mehr zu kaufen. Die wenigen Nachlieferungen waren im Nu ausverkauft. Die aufgebrachten Fans vermuteten ein abgekartetes Spiel um den Absatz an Getränken und Essen seitens der anwesenden Buden zu steigern… Ebensowenig brachten wenige Verständnis dafür auf, dass sich zwar unzählige Bier-Boys ihren Weg durch die ausgetrockneten Konzertbesucher bahnten, jedoch nur an strategisch sehr ungünstigen Stellen Wasserstellen eingerichtet waren. An denen bildeten sich dann nahezu endlose Schlangen – und im Gegensatz zur Bändchenausgabe ging es hier kaum voran. Eine DSC_2844dreiviertel Stunde in der prallen Sonne auszuharren um sich kurz an Wasser zu erfrischen war eine Qual für viele. Das es nur Tafelwasser und kein echtes Mineralwasser oder etwas wie Saftschorle an den Ständen gab tat sein übriges. Wenigstens ein paar Backpack-Verkäufer mit Wasser hätten da gut getan…

Musik und Lineup

Wie bereits eingangs erwähnt, waren viele vom Lineup 2014 enttäuscht. Glücklicherweise schlug auch das recht schnell um. Die Bands des Metal Battle waren wie bereits die letzten Jahre ein echtes Highlight. Und auch sonst war für jeden Geschmack beinahe DSC_3081unablässig etwas geboten. Gut, wir können uns immer noch nicht erklären was die ganzen Bierzelt-Bands wie Santiano auf einem Metal Festival verloren haben, aber auch diese Verbrechen an den Ohren erfahren (leider) auf jedem Wacken erneut jede Menge Zulauf… Es gibt unserer Meinung nach kein vergleichbares Festival was nahezu das komplette Spektrum des Metal abdecken kann. So waren von The Vintage Caravan, über Der WEric Fish (Akustik), DunkelschönApocalyptica, J.B.O., Van CantoCrematoryMotörhead, AcceptSaxon, HammerFall, King Diamond, Five Finger Death PunchNeopera,  zu Hatebreed, Amon Amarth, Carcass, Arch Enemy und Heaven Shall BurnDegraded, bis hin zu Behemoth, Emperor, und Vreid wirklich fast alles was sich DSC_4034irgendwie zum Genre Metal oder Mittelalter schimpfen kann geboten. Genau das ist es auch, was das Wacken ausmacht. Man kann in einer Gruppe Metalheads auf das Festival fahren, die gemeinsame Zeit genießen und es sind für jeden genügend persönliche Highlights dabei.

Bleibt die Qualität des Sounds übrig. Was auf den beiden Hauptbühnen von Jahr zu Jahr besser wird (siehe Rammstein 2013), wird bei Party Stage und Bullhead gefühlt von Jahr zu Jahr DSC_4737schlechter. Gerade die Landesgewinner des Metal Battle hätten deutlich besseres verdient. Tummeln sich doch gerade bei den noch nahezu unbekannten echte Perlen. Wohingegen man gegen die steigenden Ticketpreise deutlich an der gebotenen Show bemerkt. Was dem Besucher mittlerweile an Lightshow geboten wird, übertrifft vieles. Die Flak-Scheinwerfer sorgen Nachts auch für ein weithin sichtbares Festival 😉

Alles nur Kommerz!

Die steigenden Preise an jeder Ecke, abermillionen Merchandise Artikel die es sogar heutzutage bei real zu kaufen gibt, schüren den seit vielen Jahren anhaltenden Sturm der Entrüstung in der Community. An jeder Ecke hört man die Vorwürfe zur Kommerzialisierung des Festivals. Doch mal ernsthaft. Ist es nicht praktisch, auf dem Festival Gummistiefel, Zelte und Luftmatratzen (im Wacken Look) zu bekommen? Die Preise sind eigentlich auch völlig angebracht, schließlich muss das Zeug auch angekarrt werden.DSC_3879

Ebenso unermüdlich sind die Stimmen, die das Wacken als „viel zu groß“ und „zu wenig trve“ titulieren, sind es doch insg. 85.000 Menschen Jahr für Jahr (seit 2010) die in das beschauliche Örtchen Wacken in Schleswig-Holstein jedes Jahr im Augus bevölkern. Doch auch hier kann man nur entgegnen: wem das nicht passt, der soll sich ein kleines Festival suchen. Dort hat man dann allerdings auch mit der (teils deutlich) schlechteren Infrastruktur und sehr viel schmalerem Lineup klarzukommen. Und nicht zu vergessen – auf kleineren Festivals fehlen einem auch die vielen Metalheads aus fernen Ländern. Wo sonst, kann man sich absolut ungezwungen mit Leuten aus China, USA, Brasilien, Israel, Ägypten und woher auch sonst noch alles unterhalten?

Gerade auch die Gesetze des Festivals sprechen für das Wacken Open Air. Uns ist kein anderes Festival bekannt, was in einem vergleichbaren Maße für ein Festival der Freiheit steht. Auf DSC_3331welchem anderen Festival sind die Regeln für den Campground so überschaubar? Auf welchem anderen Festival können Bands wie Rockbitch ihre Shows abliefern? Wo gibt es vergleichbare Aktivitäten wie das Metal Battle? Durch die nun schon einige Jahre an Backstage Erfahrung und daraus jedes Jahr aufs neue resultierenden guten Gespräche mit den Menschen im Hintergrund, können wir nur sagen – den Machern liegt sehr viel am Metal und seiner Community. So hat Thomas Jensen als einer der verbliebenen zwei Gründern des WOA bei der Verkündung des Gewinners des Metal Battle 2014 eine ergreifende Rede gehalten. Es wurde sehr deutlich, wie viel ihm darin liegt, dem Metal etwas zurückzugeben. Das sie dabei auch weiterhin Geld verdienen wollen, kann man ihnen beim besten Willen nicht vorwerfen.

Was bleibt

Alles in allem war es eines der (wenn nicht das) schönsten Festivals die wir je besucht haben. Vieles kam hierfür zusammen, viele nicht so tolle Eindrücke und Befürchtungen im Vorfeld wurden aber locker übertroffen von einem sehr entspannten und schlicht DSC_5054genialen Festival unter Freunden. Wieder mal konnte man, auch wenn es die Jubiläums-Ausgabe war, die Phrase bestätigen: „Das W:O:A braucht keinen Headliner,  das Festival ist der Headliner„. Und allein, dass man das noch sagen kann, bei der Anzahl Besuchern ist ein klares Votum für das Wacken Open Air. Die neuen Bekanntschaften und sogar Freundschaften die man jedes Jahr aufs Neue macht. Bleibt zu hoffen, dass sich daran noch lange nichts ändern wird.

See you in Wacken – rain or shine!

Euer MetalCircle Team

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