Therapy? @ Berlin 2018-10-21

Es ist mir jedes Mal wieder eine Freude, die Jungs von Therapy? live anzuschauen. Die Band ist nun schon seit 29 Jahren aktiv und ich davon 25 mit ihnen unter anderem als treuer Tonträger-Erwerber und Konzertbesucher. Am Sonntag war es dann auch mal wieder soweit und wir trafen uns in einer auch für die Band alles andere als unbekannten Location, nämlich dem guten alten SO36 in Kreuzberg, wieder.

Auf meine Begleitung vor den Toren wartend wurde einerseits schnell deutlich, dass auch Kurzentschlossene noch Einlass würden erhalten können, andererseits, dass auch in diesem Falle – wie bei den meisten Bands – das Publikum mitaltert. Die meisten dürften eine ähnliche diebische Freude gehabt haben, sich diesen Spaß mal wieder anzutun.

Für die Aufwärmrunde waren die Jungs von Ondt Blod zuständig. Die fünfköpfige Hardcore-Combo aus Nordnorwegen legte sich denn auch mächtig ins Zeug und heizte die Stimmung kräftig auf. Sänger Aslak Heika Hætta Bjørn schien sich zeitweise wohl für den Mainact zu halten. Jedenfalls erklärte er dem Publikum wiederholt seine Liebe und auch, dass die Truppe in diesem Jahr schon zum dritten Mal in Berlin und zum zweiten Mal im SO36 sind.

Therapy machen vom Start weg ordentlich Druck.

Der Stimmung hat es allerdings nicht geschadet, so dass die Temperatur im Saal schon um einige Grad angestiegen war, als die Bühne wieder frei war. Das blieb sie allerdings nur bis 21 Uhr. Ohne großen Schnickschnack legten Therapy? mit dem ersten Track ihres neuen Albums Cleave los, Wreck It Like Beckett. Track 2, Kakistocracy, folgte gleich im Anschluss. Das konnte sich hören lassen, das Publikum nahm es wohlwollend an. Den Einstieg machte schließlich der erste Troublegum-Track Die Laughing perfekt.

Anschließend guckte Sänger Andy Cairns mit einem „Noch Fragen?“-Ausdruck im Gesicht ins Publikum. Dass die Band ihre Gigs inzwischen mit einer völlig selbstsicheren Abgezocktheit durchzieht, merkte man dann auch daran, dass mit Lonely, Cryin‘, Only vom 98er Album Semi-Detached doch eher eine Überraschung im Set landete. Zudem freuten wir uns schon recht früh im Set über das Hüsker Dü-Cover Diane, welches seit einigen Jahren in einem eher dreckigen Punkgewand daherkommt und nicht mehr als die Schmusenummer, die noch auf dem Infernal Love Album zu hören war.

Keine Kompromisse – egal ob schnell oder langsam, ob neu oder alt.

Ich krieg dann schnell ein breites Grinsen, wenn bei solchen Klassikern vorne der Pogo abgeht. Ich finde es einfach geil, wenn sich gestandene Mitvierziger aus ihrem Banker-IT-Berater-Familienvater-Leben befreien und wie Teens anfangen zu toben. Ich natürlich mittendrin, da ich auch ein paar dieser Klischees erfülle 😉 Erstaunlicherweise fällt tatsächlich keiner zu Boden und auch mit einer leeren Bierflasche in der Gesäßtasche besteht für keinen wirklich eine Verletzungsgefahr.

In der Folge wechselt die Band geschickt neues Material mit Klassikern ab: Auf die neue Single Callow folgt das gute alte Opal Mantra. Nach Save Me from the Ordinary – einer Kreation von Basser Michael „Evil Priest“ McKeegan – geht bei Turn und Trigger Inside in der ganzen Halle die Post ab. Dazwischen erfahren wir, dass Drummer Neil Cooper heute Geburtstag hat und so singen wir auf Geheiß von Andy alle zusammen „Neil, Neil, Drum Like a Motherfucker! Neil, Neil, …

Geburtstagskind Neil Cooper trommelt sich den Wolf während ihn Andy und Michael supporten.

Schließlich bildet I Stand Alone die Brücke zum Abschluss des Hauptteils, der es in sich hat! Screamager macht den Anfang, direkt gefolgt von Teethgrinder. Wir wirbeln wild und glücklich durcheinander und können dann eine kurze Verschnaufpause gut gebrauchen, die Andy für die Frage nutzt, ob den irgendwelche Iren im Saal wären. Es findet sich tatsächlich einer: „This song is for you. It’s an old Irish folk song…“ Die Spannung steigt durch die folgende Kunstpause des Sängers, der uns schließlich dann doch mit der Refrain-Zeile „James Joyce is fucking my sister“ erlöst und damit den Klassiker Potato Junkie einläutet.

Andy Cairns: „James Joyce is fucking my sister!“

Wieder tobt vorne alles wild durcheinander. Zum Abschluss des Hauptteils kommt dann eigentlich die richtige Message rüber: Stop It You’re Killing Me. Erst mal Luft holen, Erlebnisse teilen. Ob es wohl für ein neues Bier reicht? Eher nicht, stört eh nur beim Herumhüpfen. Und weiter geht’s …

Die Zugabe wird mit einem weiteren Troublegum-Track Unbeliever eröffnen, gefolgt vom Infernal-Love-Klassiker Misery. Dann ist nochmal das aktuelle Ablum Cleave in Form von Crutch dran. Die Stimmung ist bestens: Nein, meine Herren, wir sind noch lange nicht müde. Die Band antwortet wieder mit 90er Material: Stories – den Text kriegen wir auch noch zusammen! Zwischenzeitlich noch ein kleines Judas-Priest-Cover Breakin‘ the Law.

The „Evil Priest“ Michael McKeegan

Wie? Was? Ihr wollt immer noch tanzen? Na gut – bei Nowhere brechen dann erwartungsgemäß alle Dämme und jetzt tanzt auch wirklich die letzte Anwesende, ob freiwillig hier oder nicht. Das Stückchen kennt vermutlich wirklich jede(r). Doch damit ist noch nicht Schluss, die Band wirft mit scharfen Messern: Knives – somit wären es insgesamt acht Tracks vom Album Troublegum. Damit vom neuen Album wenigstens ebensoviele gespielt wurden, gibt’s dann als Finale noch Success? Success is Survival, dessen Refrain sich auch schnell breit durchsetzt.

Eineinhalb Stunden geballte Energie aus Nordirland. Das Publikum ist glücklich, die Band auch und verbeugt sich tief zum Abschluss. Sie lieben uns, haben sie gesagt – wir tun es auch. Auf ein baldiges Wiedersehen in der Hauptstadt.

Setlist

  • Wreck it Like Beckett
  • Kakistocracy
  • Die Laughing
  • Lonely, Cryin‘, Only
  • Expelled
  • Diane (Hüsker Dü-Cover)
  • Callow
  • Opal Mantra
  • Save Me From The Ordinary
  • Turn
  • Trigger Inside
  • I Stand Alone
  • Screamager
  • Teethgrinder
  • Potato Junkie
  • Stop It You’re Killing Me

Zugabe

  • Unbeliever
  • Misery
  • Crutch
  • Stories
  • Nowhere
  • Knives
  • Success? Success Is Survival

    Totalselfhatred, Agrypnie, Aroganz, Asphagor @ Berlin 2018-10-14

    Mit der geballten Ladung Black Metal lud der Friedrichshainer Nuke Club (ehemals K17) am Sonntagabend in seine Location. Ein Sonntagabend für diese Kombination ist nicht gerade optimal, aber was soll man machen? Schließlich ist das nicht die einzige Stadt, die diese vier Gruppen auf ihrer Tour so bespielen. Dafür ging es schon um 19 Uhr los – und wir, drei Mann hoch, natürlich rechtzeitig genug vor Ort, um nicht nur mit unter den ersten Gästen zu sein, sondern auch noch Zeit zu haben, ein Aufwärmbier zu trinken.

    Asphagor

    Als erste betraten Asphagor die Stage. Die fünf Österreicher hatten im Mai ihr neues Album The Cleansing veröffentlicht und konnten uns dieses im Zuge des heutigen Auftritts eindringlich nahe bringen. Die Bühnenpräsenz des Sängers Morgoth ist so beeindruckend wie raumgreifend. Flankiert von seinen saitenzupfenden Kollegen bildet er eine mächtige Phalanx vor Drummer Sargoth.

    So drehten Asphagor gleich mächtig auf und ließen das Haus erzittern. Wie ein bestens geölter Schiffsdiesel auf Speed in einem schweren Unwetter auf hoher See krachte die Welle über uns Zuschauer herein. Mit brachialer Energie hatten der Frontmann und sein Team die Lage aber voll im Griff. Morgoth, als Kapitän mit einem Skeletttorso als Galeonsfigur an seinem Mikestand, stets voraus, die Bande ständig antreibend, das Publikum ständig aufpeitschend. Mit dieser Energie hatten wir einen gelungenen Einstieg in den Abend.

    Asphagor mit Sänger Morgoth

    Zweiter Act des Abends war dann eine gut halbe Stunde später Aroganz (oder auch Arroganz, je nachdem, was man sich als Quelle hernimmt). Wer nicht weiß, was man Sinnvolles mit ausrangierten Schaufensterpuppen anfangen kann, der kann sich hier Ideen holen. Mit einer schwarzen Kutte umhüllt und ein paar roten LEDs als Augen tragen sie zur skurril-schaurigen Bühenästhetik der Cottbusser bei. Im rotlichtbeschienenen Nebel der Bühne eine großartige Atmospähre für die nun folgende, etwas gemächlichere und getragenere Gangart.

    Bühnenatmosphäre bei Aroganz

    In diesem Jahr kam die EP Erzketzer heraus, die sehr gut auch die ruhige Mächtigkeit ihres Sounds widerspiegelt. Sänger und Bassist -K- dominiert im Zentrum der Stage das Geschehen, das immer wieder von manchmal doomig anmutenden Passagen bis in den Death Metal wechselt. Schon mit diesen zwei Vertretern war eine gehörige Bandbreite des Black Metals präsent.

    -K- von der Cottbusser Band Aroganz

    Inzwischen war das Nuke gut gefüllt, denn als nächstes kam für viele Gäste sicherlich ein wichtiger Anlass, heute Abend hier zu sein. Die Hessen von Agrypnie ließen auch erst einmal nichts anbrennen und starteten gleich mit zwei Klassikern ihres 2013er Werkes Aetas Cineris, bevor sie sich einem Track des zwei Tage zuvor erschienenen neuen Albums Grenzgænger zuwandten. Diesem ließen sie dann allerdings auch gleich wieder ein Stück aus Aetas Cineris folgen.

    Torsten, der Unhold geht voll in seinem Element auf.

    Eine weise Entscheidung, so vorzugehen, denn das Publikum dankte es mit entsprechendem Feedback, so dass die Band ganz schnell Herr im Hause war. Nach und nach bekamen wir dann auch mehr vom neuen Material zu hören, was qualitativ dem alten in nichts nachsteht. Von der Härte aber auch der Ruhe, die sich gekonnt in heftigen Kontrasten abwechselten, waren wir eingehüllt in die besondere Magie der Musik dieser Truppe.

    Das Publikum voll in Resonanz mit Agrypnie

    Nach etwas mehr als einer Stunde war es dann leider auch schon vorbei. Ganz benommen und erfüllt trafen wir uns an der Bar wieder, um uns erst einmal mit etwas Gerstensaft abzukühlen. Da wird wohl noch ein Teil unseres Geldes später für die neue CD im streng limitierten Doppelpack mit der zweiten Neuveröffentlichung, der Compilation Pavor Nocturnus, draufgehen. Damit war der Abend eigentlich schon rund… doch obendrauf kam ja noch der Headliner…

    Denn zu guter Letzt gab es noch feinsten finnischen Black Metal auf die Mütze. Die vier Herren von Totalselfhatred aus Helsinki kamen nun mit ihrer ganz eigenen, sehr souveränen Art daher. Dabei stand ihr neues Album Solitude in Zentrum der Darbietung, die an Intensität noch einmal ein Schippe drauflegte.

    A., Leadsinger von Totalselfhatred

    Ungewöhnlich war ihre Grundaufstellung der ersten Reihe. Während der geneigte Konzertbesucher im Zentrum der Bühne den Leadsinger erwartet, sieht das bei Totalselfhatred anders aus. Da steht Bassmann N. und wird von den beiden Sängern flankiert. Diese wechseln sich im Gesang ab und überbieten sich gegenseitig in ihrem depressiven Leid, dass durch die dahinterliegende Soundwall perfekt getragen und verstärkt wird.

    Totalselfhatred

    Die ganze Darbietung beamt uns – mittlerweile nur noch zu zweit und reichlich bierbeseelt – noch einmal ein paar Zentimeter höher über den Boden. Ein rundherum gelungener Abend mit einem sich kontinuierlich steigernden Set, das wirklich Zeit und Geld wert war. Da kommen wir doch gerne wieder, wenn im Nuke zum Black Metal geladen wird.

      Iron Maiden – Legacy of the Beast Tour @ Berlin 2018-06-13

      Die gute, alte Waldbühne bildete den Rahmen für den Berliner Auftritt der britischen Metal-Ikonen Iron Maiden auf ihrer diesjährigen Legacy of the Beast Tour. Das Wetter war ziemlich gut passend, nämlich trocken und bedeckt, ein paar Grad mehr auf der Temperaturskala hätten dem Event allerdings auch nicht geschadet.

      Als Einheizer waren die Metalcore-Kollegen von Killswitch Engage einbestellt worden. Geschmacklich sicherlich eine, sagen wir mal, interessante Kombination, die sicherlich einige der zahlreichen Gäste älteren Semesters nicht so sehr gefallen hat. Dabei lieferten die Amerikaner ein solides Set ab und zollten dem Hauptact demütig Respekt. Den Teilnehmern der Moshpit schien es jedenfalls überwiegend gefallen zu haben, denn dort ging während des Auftritts ganz gut die Post ab.

      Iron Maiden in der Berliner Waldbühne
      Gleich geht’s los.

      Nach UFOs Doctor Doctor über die PA war es dann soweit. Traditionell wurden die einleitenden Worte von Winston Churchill übernommen in Form seiner „We shall fight on the beaches“ Rede, bevor die Herrschaften sodann fulminant mit Aces High von ihrem 84er Album Powerslave einsteigen. Über Bruce und seinen Kollegen schwebt derweil ein britisches Kampfflugzeug aus dem zweiten Weltkrieg, um den Inhalt des Songs passend zu umrahmen. Der Rest der Bühne ist mit Tarnnetzen verhängt, selbst Drummer Nicko McBrain sitzt hinter einem solchen.

      Sofort merkt man den Jungs die echte Spielfreude an und keinesfalls ihr Alter – schließlich ist Bruce der jüngste in der Bande mit seinen nun doch schon 59 Jahren.

      Es geht straight weiter mit Where the Eagles Dare vom Album Piece of Mind weiter, welches sich in etwas mehr Ruhe episch über das Auditorium ausbreitet. Auf der Bühne wechselt das Hintergrundbild zu einer verschneiten Hochgebirgslandschaft, in der eine brennende Gondel schwebt. Schneller wird’s danach wieder mit dem Klassiker 2 Minutes to Midnight, mit dem die Band, die etwas abgekühlte Stimmung sofort wieder hochfährt.

      Feuerfontänen auf der Bühne von Iron Maiden
      Feuer darf natürlich nicht fehlen.

      Nach diesem ersten drei Songs, hat Sänger Dickinson dann einige warme aber mahnende Worte für das Publikum parat. Freiheit, so sein Thema, komme in vielen Formen. Dafür müsse man sich einsetzen, manchmal vielleicht auch sterben. Heutzutage will aber verdammt noch einmal keiner mehr was dafür tun! Dafür zeigt dann der nächste Song The Clansman (Album Virtual XI), wie ein schottischer Widerstandskämpfer sich für die Freiheit von den unterdrückenden Engländern eingesetzt hat. Bevor es jedoch losgehen kann, verspricht Dickinson noch, dass er heute Abend nicht so viel quatschen wolle, sondern eher mit seinen Kumpels Musik machen. Gut so, wir werden es erwarten können …

      Über The Trooper und Revelations gelangen wir zu For the Greater Good of God und jedesmal gibt es ein neues Bühnenbild mit mehr oder weniger großen Veränderungen. Bruce ist ständig unterwegs ob auf dem höheren hinteren Bereich, um den Union Jack zu schwenken, oder ganze vorne noch vor seinen saitenzupfenden Kollegen, ständig von links nach rechts rennend um nur zum Singen mal zum Stillstand zu kommen. Je nach Thematik untermalt er den Gesamteindruck mit wechselnden Verkleidungen und Utensilien. Meist passt das wunderbar zum entsprechenden Song und hat seine Wirkung, manchmal wirkt es irgendwie albern, wenn er mit einem Pappschwert bewaffnet über die Bühne wirbelt und mit Riesen-Maskottchen Eddie (The Trooper) kämpft.

      Doch das ist in Ordnung so. Der aufmerksame Zuschauer bemerkt natürlich die dahinterliegende Idee, so dass es irgendwie sympathisch ist, wie er sich dabei selbst auf den Arm und damit nicht ganz so ernst nimmt. Das gleiche gilt für Gitarrist Janick Gers, wenn er sich sein Instrument um den Körper wirbelt, was meistens nicht den Eindruck macht, als würde er das vor der Show geübt haben. Der Stimmung tut es gut und der Spielfreude keinen Abbruch.

      Nach The Wicker Man folgt The Sign of the Cross vom Album The X Factor, bei der Dickinson in langer schwarzer Kutte mit einem beleuchtbaren Kreuz bewaffnet auf der Bühne predigt.

      Zum Ende des Mainsets hauen sie dann Schlag auf Schlag einen Kracher nach dem anderen heraus. Zunächst ist es Fear of the Dark vom gleichnamigen Album, bei dem das Publikum sich alle Mühe gibt, Dickinson zumindest beim Refrain zu übertönen. Der Sänger selbst ist derweil im Frack mit Phantom-der-Oper-Gedenkmaske unterwegs und genießt das Feedback aus dem Publikum sichtlich.

      Iron Maiden in Action
      Die Herren haben ihren Spaß.

      Kaum sind die letzten Töne verklungen, beginnt mit „Woe to you, oh Earth and Sea, for the Devil sends the beast with wrath, …“ schon der nächste Höhepunkt und während gefühlte 90% des Publikums die Worte aus der Offenbarung des Johannes mitrezitieren – wie viele davon wohl tatsächlich wissen, dass sie aus der Bibel zitieren? – wird The Number of the Beast eingeläutet. Die Energie des Publikums ist auf dem Höhepunkt und die Briten auf der Bühne geben mächtig Gas. Spätestens hier dürften sich die meisten sicher sein, ihr Eintrittsgeld gut angelegt zu haben.

      Zum Abschluss des ersten Teils spielen Iron Maiden dann noch Iron Maiden vom 1980er Album Iron Maiden – das Publikum ist glücklich und tobt. Dazu gibt es auf der Bühne mächtige Feuerfontänen, die bei der nun langsam einsetzenden Dämmerung immer besser ihre optische Wirkung entfalten.

      Mittlerweile gewinnt man ein bisschen den Eindruck, die Herren haben es eilig. Liegt vermutlich daran, dass die Musik bis 22 Uhr durch sein muss, da die Waldbühne ja praktisch in einem Wohngebiet liegt. Dementsprechend verlassen sie die Bühne nur kurz und stehen einen Moment später wieder vollständig für die Zugabe dort.

      Waldbühne bei Iron Maiden
      Zugabe auf der Waldbühne

      Da geht es mit The Evil That Men Do gleich hochkarätig weiter, gefolgt von Hallowed Be Thy Name, bei dessen Refrain sich das Publikum wieder die Seele aus dem Leib brüllt und dafür sorgt, dass es am folgenden Tag besorgte Nachfragen ob der Heiserkeit gibt. Zum Abschluss präsentieren sie noch den Klassiker Run to the Hills. Das Publikum kann zwar nicht genug kriegen, lässt sich aber nach der viel umjubelten Verabschiedung schnell beruhigen. Zu den Klängen von Monty Python’s Always Look on the Bright Side of Life steigen die Gäste dann kulturell befriedigt auf den steilen Steintreppen aus dem tiefen Kessel der Waldbühne heraus und machen sich gut gelaunt auf den Heimweg.

      Einmal mehr zeigt sich, mit einer Karte für ein Konzert von Iron Maiden kann man eigentlich nicht viel falsch machen. Man bekommt dafür zwei Stunden einen geilen Song nach dem nächsten vor einer ständig wechselnden Bühne präsentiert, auf der die Musikanten sichtlich Spaß haben und ein wie von der Tarantel gestochener Sänger alles tut, um seine Gäste bestmöglich zu unterhalten … und dabei hat er sich echt zurückgehalten mit Quatschen …

      Setlist

      • Aces High
      • Where Eagles Dare
      • 2 Minutes to Midnight
      • The Clansman
      • The Trooper
      • Revelations
      • For the Greater Good of God
      • The Wicker Man
      • Sign of the Cross
      • Flight of Icarus
      • Fear of the Dark
      • The Number of the Beast
      • Iron Maiden

      Zugabe

      • The Evil That Men Do
      • Hallowed Be Thy Name
      • Run to the Hills

        Manowar – The Final Battle World Tour @ Berlin 2017-11-29

        Ich finde, es gibt Bands, die man* mal gesehen haben sollte, zumindest wenn man sich im Bereich des Metal bewegt. Manowar gehört meiner Ansicht nach auf jeden Fall dazu und bisher habe ich es tatsächlich noch nicht geschafft (Shame! Shame!). Es wurde also Zeit … und als sich die Gelegenheit im Laufe des Jahres ergab, da habe ich für zwei sehr geile Menschen und mich die Chance ergriffen und die Karten organisiert. Bei satten 90,-€ pro Nase durften wir ja echt was erwarten…

        Am 29. November dieses Jahres war es dann soweit, ich hatte zwar noch eine ca. zweistündige Anreise, aber das sollte mich natürlich nicht davon abhalten, ins alt-ehrwürdige Tempodrom nach Berlin zu fahren, wo ich zuvor erst einmal zu einem Konzert war – mit einer ausgesprochen interessanten und letztendlich positiven Erfahrung.

        Nach der üblichen Prozedur – anstehen in der Kälte, mehr oder weniger intensiv abgetastet werden, Klamotten an der Garderobe abgeben, Getränk erwerben – standen wir im (zum Glück unbestuhlten) Innenraum. Mit sanfter klassischer Musik wurden wir dort auf das anstehende Donnergrollen vorbereitet, auf der Screen hinter der Bühne war Joey DeMaios anstehende Spoken-Word-Tour angekündigt.

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        Bühne mit DeMayos Tour-Plakat.

        Erster Aufreger waren für mich die Schilder, die das Aufnehmen von Fotos oder Videos verboten, verbunden mit der Forderung, das bitte zu respektieren. Wo und wann leben wir denn bitte? Beim Versuch zwischenzeitlich Fotos zu machen wurde ich tatsächlich von einem Ordner aufgefordert, das umgehend zu unterlassen. Für mich ein klarer Fall einer Band, die sich der aktuellen Entwicklung verschließt, weil sie keine Antwort darauf hat, wie sie das Interesse und die Energie ihrer Fans positiv für sich selbst und ihre Fans nutzen kann, um Neues zu entwickeln. Das ist einerseits traurig, andererseits so rückwärts gewandt, dass ich mich nicht weiter damit befassen möchte.

        Dann ging es auch los mit einem definitv adäquaten Einsteiger Manowar und während die Herren es krachen ließen, hörten die Fans vor allem Bass und Basedrum. Alles schön und gut, ich würde aber gerne auch was von Gitarre und Gesang mitbekommen. Das konnte das Mischpult dann auch bald relativ gut korrigieren, so dass es in der Folge besser wurde.

        Mit Blood of My Enemies, Metal Warriors und Brothers of Metal Part I ging es in der Folge weiter, wobei eine von mir sehr geschätzte Qualität der Band zum Tragen kam, nämlich mit geschickten Übergängen smooth in den jeweils nächsten Song hinüberzuleiten. Keine Pausen, sondern hoch professionelles Integrieren und Aufbauen der Spannung. Diese Professionalität zog sich über weite Strecken des Gigs.

        Mit dem fünften Song Mountains waren wir nicht nur in der romantischen Ecke – endlich hatte auch der zuständige Roadie den Schalter für die Background-Screen gefunden, sodass jetzt auch optische Untermalung der musikalischen Leistung geboten wurde. Damit sind wir aber auch gleichzeitig in einer Grenzregion angelangt. Bei aller sog. „Trueness“ ist das ganze Heldengetue auch oft an der Grenze zur Albernheit und meiner Ansicht nach nicht mehr zeitgemäß. Wer das nicht abkann, ist bei Manowar natürlich definitv falsch – oder schlicht unvorbereitet! Manchmal kann ich es ertragen und mich daran erfreuen – und manchmal ist meine persönliche Grenze überschritten. So auch in diesem Moment, als der künstliche Nebel über die Bassboxenphalanx kroch und ich mich an die ersten Musikvideos der 80er erinnert fühlte …

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        Der Nebel kriecht über die Boxenberge …

        Kurz danach folgte das unvermeidliche Heart of Steel … und da wir uns gerade auf deutschem Boden befanden natürlich in der deutschen Version Herz aus Stahl. Was hier in Berlin natürlich aus Sicht von Band und Fans ein absolutes Muss ist, bleibt insofern erträglich, als dass uns der Gastauftritt von Doro erspart blieb. Die wirklich true’en Fans feiern derweil diese Darbietung dankbar.

        In der Folge plätschert für mich das Konzert so ein wenig vor sich hin, abgesehen von wenigen Lichtblicken, beispielsweise Sons of Odin aus dem von mir persönlich sehr geschätzten Gods of War Album. Ich bin halt kein wirklich true’er Manowar-Fan. Davon sind aber schon einige anwesend, die sichtlich Spaß haben, auch wenn die Gesamtstimmung sich eher in Grenzen hält.

        Wichtige Erkenntnis, die sich zwischenzeitlich bei mir ausbreitete, ist, dass wohl die ehemaligen Grafik-Programmier der 80er-Jahre Commodore-Amiga-Spiele eine neue Heimat gefunden haben. Das grafische Niveau der Animationen auf den Background-Screens geht nicht wirklich darüber hinaus. Künstliche Asteroiden, Burgmauern und endlose Treppen waren auch vor 30 Jahren schon auf den Bildschirmen unzähliger Computer in zahlreichen Haushalten zu sehen. Wobei sicherlich als Fortschritt zu bewerten ist, dass es – vor allem in der zweiten Hälfte der Show – in den Animationen Einspielungen der Livecam gab.

        Über Soli kann ja jeder denken, was er will. Ich persönliche brauche sie nun nicht – es hat aber echt was von Old School, was Bands aus den 80ern halt manchmal so veranstalten. Die von Joey DeMaio waren technisch in keinster Weise angreifbar – zumindest nicht für mich – und insgesamt recht sympathisch. Als Amerikaner in Deutschland dann noch in ziemlich gutem Deutsch das amerikanische Bier für Pisse zu erklären und das deutsche für das Beste der Welt … das kommt (natürlich) an. Den Band-Kollegen gönnt er zwischnezitlich natürlich die wohlverdiente Pause, damit sie sich für den Endspurt klar machen. Wir trinken derweil noch eine Gerstenkaltschale und harren der Dinge, die da kommen.

        Und die Dinge, die da kommen, nehmen mehr und mehr Fahrt auf. Sei es der steigende Alkoholkonsum der Fans, sei es die hohe Professionalität der Band, die in über 30 Jahren Geschichte weiß, wie sie die Meute zum Kochen bringt – es funktioniert! Während die grafischen Animationen nicht an Wert gewinnen, entwickelt sich das Zusammenspiel zwischen Band und Publikum zunehmend besser. Fighting the World, Kill with Power, Sign of the Hammer – es läuft!

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        Die Meister in voller Action.

        Mit Battle Hymn erreichen wir dann einen ersten Gipfel, doch der entpuppt sich retrospektiv nur als Ausguck auf die nachfolgenden Höhepunkte. Als die Herren Warriors of the World United erklingen lassen, haben sie scheinbar auch den letzten Menschen im Raum erfasst. Es wird zelebriert – von beiden Seiten. Endlich kann auch die letzte Kehle aus vollem Herzen gröhlen

        Brothers everywhere
        Raise your hands into the air
        We are warriors,
        Warriors of the world.

        Like thunder from the sky
        Sworn to fight and die
        We are warriors,
        Warriors of the world.

        Das ist dann genau der Moment, an dem ich weiß, warum ich hier bin. Das ist true. Das ist ehrlich und wahrhaftig. Dafür stehen Manowar und das geht richtig geil rein.

        Direkt darauf folgt das bisher noch fehlende Hail and Kill und die willige Menge ist mit voller Begeisterung bei der Sache. Ja, das ist Manowar, wie auch ich mir das vorgestellt habe – und versuche dabei nicht zu sehr auf die wirklich erbärmliche Animation einer abbrennenden Burg hinter den Herren zu achten. Ich bin hier für das Erlebnis und den ganzen Spaß!

        Und dann sind sie auch schon fast weg … Joey tötet zeremoniell eine Saite nach der anderen seines Basses, rollt sie schön zusammen und verteilt sie an die Fans in den ersten Reihen. Die haben sich das auch verdient. Zum heldenhaften Abtritt gibt es dann vor der Animation von Schwarz-Rot-Gold noch The Crown and the Ring. Als Outro OK, auch wenn die Meister das hätten direkt hier und jetzt selbstpersönlich vorführen können …

        Mein persönliches Fazit: Endlich habe ich Manowar gesehen – sie sind in die Jahre gekommen und doch der Pubertät kaum entwachsen. Sie haben eine hohe Professionalität erreicht und technisch gibt es wohl nur wenige, die ihnen etwas vormachen können. Diese Truppe ist wirklich gut eingespielt und abgestimmt. Die wissen, wie es geht. Die Stimme von Eric Adams ist in Anbetracht seines Alters wirklich bemerkenswert stark und in ihrer Bandbreite beeindruckend. Ob das zentrale Thema von Manowar allerdings heute noch funktioniert? Teilweise ja, für mich nur sehr bedingt.

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        Eric Adams in vollem Einsatz

        War die Investition von 90,-€ gerechtfertigt? Aus meiner Sicht nein! Ich bekomme für weniger Geld wesentlich mehr geboten bei vielen Nachwuchsbands und semi-bekannten Acts. Bei aller musikalischer Professionalität und der Menge and Basspower, so dass es bis in die Haarspitzen zittert (cooles Gefühl übrigens) – die optische Unterstützung ist alles andere als zeitgemäß. Die Thematik der Band ist inzwischen deutlich outdated – was dir aber als thematische Band passieren kann.

        Bei Bands gleicher Kragenweite bekomme ich auch mehr für mein Geld. Mir bleibt der Eindruck, hier wird noch einmal schnell Geld gemacht, bevor es nicht mehr geht. Ich möchte nicht für eine billige Show einen Premiumpreis bezahlen. Und wenn ich ein Handyfoto machen möchte, nicht auch noch von Offiziellen angepöbelt werden …

        Trotzdem – ich habe Manowar gesehen! Das ist gut und richtig so. Der Preis wird bald vergessen sein und das Erlebnis unter einem Haken „Ich war dabei!“ verborgen werden: We are warriors of the world!

        Setlist

        • Manowar
        • Blood of My Enemies
        • Metal Warriors
        • Brothers of Metal Pt. 1
        • Mountains
        • Fallen Brothers – Karl’s Solo
        • Herz aus Stahl
        • Secret of Steel
        • Spirit Horse of the Cherokee
        • Call to Arms
        • Sons of Odin
        • Kings of Metal
        • Sting of the Bumblebee
        • Joey redet und spielt mit seinem Bass alleine rum
        • Fighting the World
        • Kill with Power
        •  Sign of the Hammer
        •  The Power
        •  Battle Hymn
        •  Warriors of the World United
        • Hail and Kill
        • Black Wind, Fire and Steel
        • The Crown and The Ring (Outro)

        * Ich verzichte im gesamten Text auf das irgendwie verkrampft geschriebene Gendering, ohne den Respekt für alle Ausprägungen zu verlieren. Es schreibt und liest sich meiner Ansicht nach einfacher so, wie ich es standardgemäß verwendet habe.

          Helloween – Pumpkins United in München

          Wer hätte das gedacht, dass sich die noch lebenden Mitglieder und Ex-Mitglieder von Helloween noch einmal zusammenraufen und unter dem Banner Pumpkins United auf Tour gehen? Das Produkt des gemeinsamen Schaffens konnte der geneigte Fan beispielsweise am 12. November 2017 im Zenith in München begutachten. Auffällig war zunächst einmal die Zeit des Veranstaltungsbeginns: 18:30 Uhr. Seltsam, nirgendwo fand sich ein Hinweis auf eine Vorgruppe… sollten die Fans rechtzeitig zum sonntäglichen Tatort wieder zu Hause sein können, damit sie auch am Montag auf der Arbeit wieder leistungsfähig sein würden?

          Screen bei Halloween
          Screen bei Halloween

          So ganz von der Hand zu weisen war der frühe Termin als Rücksicht auf den Montag nun nicht – sicherlich kein Schaden. So ging es dann um 18:46 Uhr auch gleich fulminant – ohne Vorgruppe – los, kaum dass aus der PA die letzten Takte von Robbie Williams‘ Let Me Entertain You verklungen waren. Der Einstieg mit Halloween schlug entsprechend krachend beim fanatischen Publikum ein. Beim Gesang wechselten sich Michael Kiske und Andi Deris ab, während dahinter Kai Hansen, Michael ‚Weiki‘ Weikath und Sascha Gerstner die Gitarrenabteilung bildeten. Markus Großkopf komplettierte die saitenschlagende Fraktion am Bass, während über allen Daniel ‚Dani‘ Löble hinter seinem Schlagzeug mit insgesamt 6 Basedrums thronte. Auf den Opener folgte mit Dr. Stein gleich der nächste Klassiker – für die nicht ganz so textfesten Gäste dankenswerterweise mit einer Art Lyric-Video auf der Leinwand dahinter begleitet.

          Optische Comic-Unterhaltung
          Optische Comic-Unterhaltung

          Dann gab es die erste Verschnaufpause für die gröhlende Menge, die natürlich niemals die gesanglichen Höhen der beiden Fronter erreichte. Die ließen es sich nicht nehmen, einerseits innige Eintracht zu demonstrieren als auch andererseits auf das Konzert in Stuttgart am vergangenen Abend hinzuweisen. Das Publikum hätte sie dazu angetrieben, 3:02 h zu spielen. Es läge nun natürlich am Münchener Publikum, das zu toppen. Nach Aussage von Besuchern war das Publikum an diesem Abend für Münchener Verhältnisse wirklich sehr euphorisch. Man durfte also gespannt sein.

          Nachdem Kiske dann alleine den nächsten Track I’m Alive vortrug und anschließend Deris If I Could Fly übernommen hatte, war auch klar, wie das Konzept für drei Stunden aufgehen können würde. Von den 24 Songs des Abends zeichneten Kiske und Deris jeweils für sechs alleine verantwortlich. Neun übernahmen sie zusammen, zwei weitere durch Hansen alleine. Damit kann man natürlich fast durchgängig drei Stunden lang das Publikum befeuern.

          Kiske (li) und Deris (re)
          Kiske (li) und Deris (re), im Hintergrund Gerstner (li) und Weikath (re)

          Die gesamte Show war in mehrere Blöcke eingeteilt, die durch Comic-Strip-Einspielungen voneinander abgetrennt wurden. Darin alberten zwei Kürbismännlein, Seth und Doc, herum und kramten aus der Historienkiste von Helloween immer weider neue Utensilien hervor. Das war zwar ganz niedlich, hätte es aber nicht wirklich gebraucht. Ansonsten waren die Video-Unterstützungen gut zu den Stücken arrangiert, so dass man staunen konnte, auf wie viele Arten man mit Kürbissen und Schlüsseln herumexperimentieren kann.

          Hat der Keeper seine Keys verloren?
          Hat der Keeper seine Keys verloren?

          Im fünften Block war dann schließlich Walls of Jericho dran. Nach dem Einspieler des Openers der Platte (Happy Happy Halloween …) folgte ein Medley von Starlight, Ride the Sky und Judas . Gesanglich vorgetragen, wie schon erwähnt, von Kai Hansen. Bei allem Respekt, er erreicht nicht ganz die Qualität der beiden anderen Sänger, doch im Sinne der Historientreue passt das schon. Das Publikum war jedenfalls lauthals dabei, ihn zu untersützen. Er ließ dann noch ein krachendes Heavy Metal (Is the Law) folgen, bevor er das Mikro wieder an Hansen und Deris zurückgab.

          Walls of Jericho Medley
          Walls of Jericho Medley mit den passenden Effekten

          Bemerkenswert war sicherlich auch das Drum-Battle zwischen Dani Löble und dem 1995 verstorbenen Gründungsdrummer Ingo Schwichtenberg. Die moderne Technik macht es möglich, dass es sich anhört, als würden wirklich beide gegeneinander antreten – oder, besser gesagt, harmonisch miteinander auf die Felle prügeln. Schön im darauf folgenden Block während des Songs A Little Time die Referenz zu Pink Floyd in Ton und Bild.

          Die Setlist lieferte einen hübschen Querschnitt durch fast alle Schaffensperioden, wobei vor allem die alten Klassiker der ersten drei Alben beim Publikum den größten Widerhall fanden. Erstaunlich war allerdings, dass der extra neu eingespielte Track Pumpkins United nicht den Weg ins Set fand. Letzendlich kein Schaden – die Fans vermissten vermutlich nichts.

          Gitarrengewitter
          Gitarrengewitter: Gerstner (li), Hansen (mi) und Weikath (re)

          Mit zwei Zugaben ging es in das große Finale, wo die Herren zunächst mit Eagle Fly Free und Keeper of the Seven Keys und im zweiten Teil dann mit Future World und I Want out noch einmal mächtig aufdrehten. Das Publikum dankte es bis zur letzten Zeile mit enthusiastischem Mitgesang und war nach 178 Minuten glücklich, da reicht beschenkt.

          Es war ein gelungener Abend, der mit einem runden Konzept für fast drei Stunden für mächtig Laune sorgte. Bleibt zu wünschen, dass nach dieser Tour die Beteiligten nicht wieder getrennte Wege gehen, sondern sich vielleicht mal wieder im Studio einschließen und ihre geballte Kreativität walten lassen. Das muss nicht die letzte Tour dieser Art gewesen sein.

          Großes Finale
          Beim großen Finale: Großkopf, Kiske, Deris und Hansen (von links)

          Setlist:

          1. Halloween
          2. Dr. Stein
          3. I’m Alive
          4. If I Could Fly
          5. Are You Metal?
          6. Rise and Fall
          7. Waiting for the Thunder
          8. Perfect Gentleman 
          9. Walls of Jericho Medley: Starlight / Ride the Sky / Judas 
          10. Heavy Metal (Is the Law) 
          11. Forever and One (Neverland)
          12. A Tale That Wasn’t Right
          13. I Can
          14. Drum Solo / Ingo Tribute
          15. Livin‘ Ain’t No Crime
          16. A Little Time
          17. Why?
          18. Sole Survivor
          19. Power
          20. How Many Tears

          Encore:

          1. Eagle Fly Free
          2. Keeper of the Seven Keys

          Encore 2:

          1. Future World
          2. I Want Out

            DIE METAL HAMMER AWARDS 2017 – TEIL 2

            Unsere Gwen hat euch ja schon über die bisherigen Preisverleihungen und die großartigen Auftritte von Oversense und Orden Ogan berichtet. Doch nach knapp zwei Stunden war die selbsternannte „härteste Preisverleihung des Jahres“ noch lange nicht vorbei.

            Nachdem Orden Ogan schon bei einigen für Nackenschmerzen gesorgt haben, konnte man sich bei den letzten beiden Verleihungen noch einmal bei einem kühlen Bierchen kurz entspannen. Die letzten Preise an diesem Abend wurden in den Kategorien Beste Deutsche Band, Riffgott und Legende vergeben. Ersterer ging an die Ruhrpott Thrash-Titanen Sodom.  Die 1981 in Gelsenkirchen gegründete Band veröffentlichte 2016 ihr Album „Decision Day„, womit sie ihre Mitgliedschaft bei den Big Teutonic Four deutlich  zementiert haben.  Dem umtriebigen Virtuosen Gus wurde der Preis  Riffgott verliehen. Bekannt wurde Gus G als Axtmann bei keinem geringeren als Ozzy Osbourne (sic!), spielte aber auch bei weniger „bekannten“ Bands wie Arch Enememy, Mystic Prophecy, Firewind, Dream Evil und Nightrage. Der

            Preis für die Legende ging an Mark „Barney“ Greenway. Er wurde absolut gerechtfertigt für

            seine Tätigkeit als Frontshouter der Death Metal/Grindcore Urgesteine Napalm Death geehrt, welche er schon seit 28 Jahren anführt. Daneben war er aber auch noch Gründungsmitglied der legendären Benediction, welche er 1990 für Napalm Death verlassen hat.

            Danach wurde es aber nochmal richtig heiß. In Extremo betraten die Bühne und läuteten damit den Abschluss des Abends ein. Für In Extremo, die schon seit 1995 gefühlt alle Bühnen Deutschlands abgefackelt haben, war es ein ganz besonderer Abend. Das hatte nicht nur damit zu tun, dass die Location der Kulturbrauerei keine Pyrotechnik zulässt. Nein, an diesem Tag feierten sie die Veröffentlichung ihres neuesten Compilation „40 wahre Lieder – The Best Of„, mit der sie voller Stolz auf ihre 22 jährige Karrierezurückblicken. Aus diesem Grund spielten In Extremo ein intimes Fest für und mit ihren Fans und haben bewiesen, dass es egal ist, wie groß die Bühne ist – bei einem Konzert der sieben Spielmänner kommt jeder ins Schwitzen. Mit neuen und alten Hits, wie Störtebeker, Vollmond, Quid Pro Quo oder dem Spielmannsfluch lud man zum mitgrölen ein. Bei Sternhagelvoll geriet das Publikum sogar ins fröhliche Schunkeln. Nach knapp einer Stunde war dann aber auch Schluss mit der eigenen kleinen Releaseshow und damit auch den Metal Hammer Awards 2017. Am Ende kann man sagen, dass In Extremo vollkommen zurecht an diesem Abend den Preis für die Beste Live Band erhalten haben.